Auf ein Wort: Geschäftsführer Martin Weinitschke

Liebe Sportfreund*innen,

in den letzten Wochen und Monaten hatte die Coronavirus-Pandemie den organisierten Sport fest im Griff. Nun werden die Sporthallen und Sportplätze nach und nach geöffnet, wir hoffen alle, dass wir auf dem noch langen Weg zur Normalität keine Rückschläge hinnehmen müssen. Wie werden sich die hinter uns liegenden und noch folgenden Ereignisse auf die Mitgliederentwicklung im organisierten Sport auswirken? Und in diesen schwierigen Zeiten sollten wir uns auch die Frage stellen, ob wir bisher schlüssige Antworten auf den schleichenden Mitgliederrückgang der vergangenen Jahre in den rheinland-pfälzischen Sportvereinen gegeben haben.

Wenn wir unsere bisherigen Berichte zur Bestanderhebung vergleichen, erkennen wir ein monotones Wiederholen immer gleicher Sachverhalte. Wir konstatieren „leichte Rückgänge auf hohem Niveau“ , in der „größten Personenvereinigung des Landes“ ist doch „jeder Dritte Rheinland-Pfälzer im Sportverein“ . Wir heben das „ungebremste Wachstum“ der Gruppe der Senioren 60+ hervor, sehen positivere Entwicklungen größerer Vereine gegenüber kleineren und stellen ein Ranking der Mitgliederentwicklung der einzelnen Fachverbände vor.

Nur ganz vorsichtig widmen wir uns hier und da dem Erklären von Zusammenhängen. So haben wir vor einigen Jahren die zunehmende Zahl von Ganztagsschulen einhergehend mit Abnahme der Geburtenrate als ein Argument sinkender Mitgliederzahlen im Bereich der Kinder und Jugendlichen für uns herangezogen.

Wollen wir aber Zusammenhänge genauer erkennen, um unsere Vermutungen zu bestätigen, zu entkräften oder zu verwerfen, um neue Erklärungsansätze zu finden, müssen wir das Ganze genauer untersuchen. Was läge da näher, als die Vereine selbst zu fragen?

Vor diesem Hintergrund hatte der Sportbund Rheinland im vergangenen Jahr eine Studie zur Mitgliederentwicklung bei der Hochschule Koblenz in Auftrag gegeben. Und dies in dem Wissen, dass dort mit Professor Dr. Lutz Thieme ein ausgewiesener Experte für Sportvereinsforschung lehrt. Auf Seite des Sportbundes Rheinland hat das Team der Management-Akademie um Barbara Berg das Feld der Vereinsentwicklung im Blick, um unsere Vereine individuell beraten zu können. So ist es zu erklären, dass mehr als ein Drittel aller Vereine des Sportbundes Rheinland an der Studie teilgenommen und damit repräsentative Ergebnisse zutage gefördert hat.

Professor Thieme und sein Kollege Sören Wallroth haben versucht, anhand eines möglichst einfachen Modells die komplexen Gründe für die unterschiedliche Mitgliederentwicklung in den Vereinen zu erklären und dabei vier Einflussfaktoren, unter denen ein Verein agiert, zugrunde gelegt: Die Umweltbedingungen, wie zum Beispiel die Bevölkerungsentwicklung, die Vereinseigenschaften, wie zum Beispiel die Arbeitsweisen, die Vereinsführung und die zur Verfügung stehenden Ressourcen. Die Präsentation der Studie, die wegen der Corona-Pandemie online stattfinden musste (siehe auch Artikel „Von Ressourcen, Strategien und tatkräftigen Vorständen“), wurde bundesweit verfolgt und ist noch auf YouTube (Sportbund Rheinland-TV) abrufbar.

Der Nutzen der Studie für die SBR-Vereine ist schon jetzt ablesbar. Auf einem Vereinsdashboard sind sämtliche Daten eingespeist (siehe auch Artikel "SBR-Vereinsdashboard ist in aller Munde") und passwortgeschützt abrufbar. Der Vereinsvorstand kann daraus Handlungen für seine Vereinsführung ableiten und sich in diesem Prozess von der SBR Management-Akademie in Form von Vorstandsklausuren begleiten lassen.

Es ist zu wünschen, dass sich möglichst viele Sportvereine einer solchen Herangehensweise öffnen, um sich neue Perspektiven zu schaffen in diesen schwierigen Zeiten. Denn auch eins erfahren wir in der Corona-Pandemie: Die Vereinslandschaft und ihre Leistungsfähigkeit sind ein hohes Gut, um das uns international viele Nachbarländer beneiden. Wir sollten gemeinsam alles uns Mögliche tun, dies zu erhalten.

 

Martin Weinitschke

Geschäftsführer des Sportbundes Rheinland