Kinderschutz muss gelebt werden

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„Kinderschutz brauchen wir nicht, bei uns passiert so etwas nicht!“ Eine Aussage, die in vielen Vereinen immer noch präsent ist. Anlass genug sich mit den Vereinen zu unterhalten, die sich bereits auf den Weg gemacht haben, das Thema Kinderschutz in den Vereinsalltag zu integrieren und nicht mehr wegschauen wollen. Wir haben uns mit Ansprechpartnern für den Kinderschutz in Vereinen über ihre Erfahrungen sowie ihre Aufgaben ausgetauscht.

Beispiele machen Mut

Zugegeben, der Job als Ansprechpartner für den Kinderschutz ist nicht immer leicht. Es bedarf mitunter viel Überzeugungsarbeit im Verein, um alle mit ins Boot zu holen. „Gefühlt gab es bei jedem Vorschlag ein Aber“, berichtet Susanne Bayer vom SV Schwarz-Weiß Neuhochstein. „Viele haben Angst, weil das Thema neu und unbekannt ist“, so Bayer weiter. Sie empfiehlt Vereinen daher am Anfang eine Vereinsberatung von der Sportjuged in Anspruch zu nehmen.

„Wenn wir das Thema aufnehmen, denkt doch jeder wir haben ein Problem.“ Auch diese Meinung ist weit verbreitet in den Vereinen. Alexandra Nolden vom TV Hermeskeil hat andere Erfahrungen gemacht. „Das Feedback der Eltern war sehr gut. Die Eltern haben sogar bei uns angefragt, ob wir nicht Informationsmaterial haben.Eltern wollten wissen, sie selbst tun können, um ihre Kinder zu schützen“, so die Übungsleiterin.

Benjamin Christen, stellvertretender Vorsitzender im TV Linz, betont dass es gerade dann wichtig sei das Thema aufzugreifen, wenn man volles Vertrauen in seine Übungsleiter hat. Prävention ist der beste Schutz für alle. Christen sieht seine Rolle als Ansprechpartner darin das Thema immer wieder auf die Agenda zu bringen. „Unsere Präventionsmaßnahmen sind nicht für immer in Stein gemeißelt, sondern sollen regelmäßig überprüft werden“ erläutert er.

Kinderschutz ist Daueraufgabe

Die  Beispiele aus Hermeskeil, Linz und Neuhochstein zeigen, dass das Thema dauerhaft und im gesamten Verein verankert werden sollte, um Kinder und Übungsleiter zu schützen. Dafür muss das Thema breit kommuniziert werden und die Ansprechpartner allen Mitgliedern im Verein bekannt sein. Mit Schreiben an die Mitglieder, Informationen auf der Homepage oder in Flyern versuchen die Vereine Aufmerksamkeit zu schaffen. Präventionskurse tragen dazu bei, Kinder selbstbewusst und stark zu machen.

Vertrauensperson nicht Experte

Die Ansprechpartner kümmern sich aber nicht nur um die Prävention, sondern sind auch Vertrauensperson bei Fragen und Verdachtsfällen. Doch wie findet man eine solche Person? Die Evaluationsergebnisse aus dem Pilotprojekt „Wir schauen hin“ des Landessportbundes Rheinland-Pfalz und der Sportjugenden geben Anhaltspunkte, worauf man bei der Auswahl achten sollte (siehe Kasten). „Ansprechpartner müssen keine Experten für Kinderschutz sein, sondern sich aktiv dem Thema annehmen“, beschreibt Marco Wohlgemuth, Vorstandsmitglied der Sportjugend Rheinland, das Anforderungsprofil. „Das Handwerkszeug kann man lernen“, so Wohlgemuth weiter.

Der richtige Ansprechpartner:

  • Am besten findet man jeweils einen männlichen und weiblichen Ansprechpartner.
  • Position im Verein beachten, ob diese Hindernisse oder Interessenskonflikte hervorrufen kann (z.B. nicht nur aus einer Abteilung).
  • Die Anbindung an den Vorstand muss geregelt werden.
  • Muss im Verein bekannt gemacht werden.
  • Ansprechpartner soll geschult werden.