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Wahlhearing: Geht dem Wettkampfsport die Puste aus?

Das Wahlhearing des Landessportbundes Rheinland-Pfalz wollte sich Bernd Pohl nicht entgehen lassen. Als Vorsitzender des 1100 Mitglieder starken TV Oberstein berichtete er über die Sorgen und Nöte seines Vereins besonders in Bezug auf den Wettkampfsport. Wir unterhielten uns mit Bernd Pohl über seine Eindrücke vom Wahlhearing.
Herr Pohl, welches war für Sie die zentrale Aussage beim Wahlhearing? Am meisten hat mich die Aussage von Dr. Nieland bewegt: „Wir laufen Gefahr, dass der Sport bald ohne Vereine stattfindet – nur noch in Schulen und Fitnessstudios.“ Ich denke, damit hat er unsere Situation sehr pointiert beschrieben. Übrigens eine Aussage, die den Parteien im Land, die landauf-landab das hohe Lied auf die Leistungen der Sportvereine für unsere Gesellschaft singen, sehr zu denken geben müsste. Sehen Sie sich als Vereinsvorsitzender von der Politik alleine gelassen? Ich glaube, dass viele Politiker den Bezug zur Basis in den Sportvereinen verloren haben. Sie wissen einfach nicht,  mit welchen Problemen wir uns  tagaus-tagein rumschlagen müssen. Deshalb wollte ich beim Wahlhearing einmal unsere Situation beim TV Oberstein darstellen. Eine Ihrer zentralen Aussage war: „Wir können den Wettkampfsport aus eigener Kraft bald nicht mehr finanzieren.“ Können Sie dies konkretisieren? Nehmen wir doch die Europameisterschaften im Rope-Skipping, die wir gemeinsam mit dem TuS Mackenroth ausgerichtet haben. Sämtliche Ausgaben mussten wir aus den Packages der Teilnehmer und  Sponsorengeldern finanzieren. Der Turnverband Mittelrhein hat uns für die Tage nur einen Bus zur Verfügung gestellt. In Wahrheit ist es doch so: Die Fachverbände kompensieren ihre mangelnde Finanzausstattung über die Vereine in Form von Beiträgen, Gebühren, Meldegeldern und Strafgeldern. Sie spreche damit konkret den Wettkampfbetrieb an. Genau.  Der TV Oberstein ist Mitglied in neun Fachverbänden und betreibt Wettkampfsport im Rope-Skipping, Tischtennis, Leichtathletik, Schwimmen. Basketball und Gerätturnen. Im Basketball haben wir vor einiger Zeit mit einer Herren- und einer Jugendmannschaft den Spielbetrieb aufgenommen. Die 40 Abteilungsmitglieder bringen uns im Monat circa 300 Euro Beiträge. Alleine bei den Herren hatten wir im Winterhalbjahr bei zwei Heimspielen im  Monat 240 Euro Schiedsrichterkosten. Dazu kommen noch Ausgaben für die Übungsleiter, Fahrtkosten für Auswärtsspiele, Gebühren und Meldegelder. Bei den Schwimmern ist die Situation noch zugespitzter. So sind wir mit 20 Jugendlichen zur Bezirksmeisterschaft gefahren. Zusätzlich  zu den bereits eben erwähnten Aufwendungen mussten wir 300 Euro Meldegebühren zahlen. Dabei erhebt der Schwimmverband schon zusätzliche Mitgliedsbeiträge und ein jährliche Lizenzgebühr von 15 Euro pro gemeldeten Wettkämpfer. Alleine um die Kosten für die Badmieten zu kompensieren, müssen wir pro Monat für jeden aktiven Schwimmer einen Zusatzbeitrag über 2,50 Euro erheben. Die Mitgliedsbeiträge unserer Sportvereine gelten allgemein als sehr gemäßigt. Sehen Sie hier ein zusätzliches Einnahmepotential? Wir bestreiten beim TV Oberstein ein jährliches Haushaltsvolumen von rund 140.000 Euro. Um unseren Sportbetrieb weiterhin finanzieren zu können, haben wir 2012 und 2013 in zwei Schritten unsere Beiträge erhöht. Dabei liegen wir weit über den geforderten Mindestbeiträgen. In acht Sportarten erheben wir zudem Zusatzbeiträge. Gerade vor dem Hintergrund unseres gesellschaftlichen Auftrages, Sport für alle zu bieten, haben wir, so denke ich, die Schmerzgrenze erreicht.

Das Gespräch führte Wolfgang Höfer

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