Wenn der Teufel im Detail steckt: Wiederaufbau der Sportstätten im Ahrtal kann noch Jahre dauern

Treffen der Sportvereine offenbart viele Probleme / SBR-Präsidentin Sauer: Nachhaltige Projekte dürfen nicht an formalen Hürden scheitern / Schnelle und unbürokratische Hilfe vom Sport in RLP
Einige Sportstätten im Ahrtal werden immer noch als Lagerstätten oder Container-Stellplätze genutzt, so auch in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Foto. W. Höfer

Der Sport- und Spielbetrieb im Ahrtal ruht derzeit, doch die Probleme der Sportvereine in der von der Flutkatastrophe so arg geschundenen Region bleiben. Ausweichplätze sind teilweise nicht bespielbar und Angebote im Freien nur eingeschränkt möglich. Wann ist mit einem Wiederaufbau der zerstörten Sportanlagen zu rechnen? Wo ist ein Wiederaufbau möglich? Welche Perspektiven eröffnen sich uns für die Zukunft? Dies sind nur einige Fragen, die den Kommunen von den Vereinsvertretern bei den ersten Infoabenden vor dem Jahreswechsel in Sachen Sportstätten gestellt wurden.  Vor Ort waren auch die Präsidentin des Sportbundes Rheinland (SBR), Monika Sauer, die stellvertretende SBR-Geschäftsführerin Susanne Weber sowie Stefan Henn vom Institut für Sportstättenentwicklung (ISE) in Trier, der die Veranstaltung moderierte. 

Die Schäden an der Sportinfrastruktur im Ahrtal sind immens. Es zeichnet sich ab, dass diese weit über die geschätzten 25 Millionen Euro aus der ersten Schadensabfrage des SBR in Zusammenarbeit mit dem ISE hinausgehen. Allein der Neubau des Hallenbades in Bad Neuenahr, der zwar bereits vor der Flut geplant war, wird wohl diese Summe erfordern. Aber auch bei den danebenliegenden Anlagen des HTC Bad Neuenahr wird der Wiederaufbau teurer als gedacht. „Es ist schwierig, überhaupt Fachfirmen zu finden. Hinzu kommen die aktuell hohen Baustoffpreise“, schildert der 1. Vorsitzende, Dr. Karl-Horst Gödtel,  die prekäre Situation des Vereins.

Mitgliederschwund befürchtet

Groß ist nach wie vor die Solidarität unter den Vereinen. Doch der Aufwand, das Training zu koordinieren, ist hoch. „Mit unseren Mannschaften trainieren wir auf acht Sportplätzen in drei Landkreisen aus zwei Bundesländern“, sagt der 2. Vorsitzende des Ahrweiler BC, Frank Schönherr. Um den Aufwand für die Mitglieder überschaubar zu halten, nimmt man auch räumliche Einschränkungen in Kauf. „Wenn wir nicht vor Ort bleiben, dann verliere ich meine Mitglieder“, so Jürgen Hildebrandt von der KTV Rhein-Ahr-Nette.

Die Angst vor einem Mitgliederschwund treibt viele Vereinsvertreter um. Daher hoffen Sie auf einen schnellen Wiederaufbau der Sportanlagen. Peter Diewald, Erster Beigeordneter der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, geht hingegen von einem Zeitraum von mehreren Jahren aus, bis der Wiederaufbau abgeschlossen ist: „Das wird uns Jahre begleiten. Wir müssen daher Prioritäten setzen und das bestenfalls gemeinsam tun.“

Zuhören, alle Betroffenen mitnehmen und Prozesse transparent machen, darum geht es bei diesem Treffen der Sportvereine in Bad Neuenahr. Und diese nutzen ausgiebig die Gelegenheit, ihre Wünsche und Nöte kundzutun. So wird der kurzfristige Aufbau von provisorischen Sportanlagen, die Nutzung von sonstigen Räumlichkeiten und auch die gemeinsame Nutzung von Sportanlagen diskutiert. Dort, wo Plätze nicht wieder aufgebaut werden, braucht es wohnortnahe Alternativen wie beispielsweise Kleinspielfelder, sind sich Kommunen und Vereine einig.

Sportplätze als Lagerstätten

Eigentlich gute Voraussetzungen für einen raschen Wiederaufbau. Doch der Teufel steckt im Detail, wie im Verlauf des Abends deutlich wurde. Aktuell werden einige Sportplätze noch als Lagerplätze oder Container-Stellflächen genutzt. Eine zeitnahe Räumung ist nicht in allen Fällen zu erwarten. Zudem liegen fast alle Sportanlagen im neu ausgewiesenen Überschwemmungsgebiet. Für den Wiederaufbau sind somit wasserrechtliche Vorschriften zu beachten. Einige der Sportanlagen sind bereits so alt, dass keine Baugenehmigungen mehr vorliegen. Diese sind jedoch Grundlage für den Wiederaufbau. „Bei Anlagen, die schon sehr lange existieren, wäre es wünschenswert, wenn auch ohne auffindbare Baugenehmigung ein Bestandsschutz möglich ist“, meint die stellvertretende SBR-Geschäftsführerin Susanne Weber. Inwieweit die Entscheidungsträger vor Ort im Sinne der Sportvereine entscheiden, bleibt abzuwarten. Die Fertigstellung erster Anlagen wird für Mitte 2022 erhofft.

Im oberen Ahrtal wollen die Vereine der SG Ahrtal anstelle von vier Plätzen nur noch zwei wiederaufbauen. Was nach einer sinnvollen Synergie klingt, entpuppt sich ebenfalls als kompliziert. Würde jeder Platz wieder errichtet, könnten dafür die Mittel aus dem Wiederaufbaufonds beantragt werden. Legt man die Plätze zusammen und spart damit Kosten, so kann ein gemeinsames Projekt nur bis zu dem Wert gefördert werden, der für die Errichtung des vorherigen Platzes an dieser Stelle notwendig wäre. „Solche nachhaltigen Projekte dürfen nicht an formalen Hürden scheitern“, fordert SBR-Präsidentin Monika Sauer. „Es darf kein Verstecken hinter Paragrafen zu Lasten der Vereine vor Ort geben“, sagt Sauer an die Adresse der Landesregierung.

Gemeinsames Vorgehen fehlt

Unbefriedigend ist für die SBR-Chefin auch, dass bisher keine Möglichkeit gefunden wurde, das ISE und die Hochschule Koblenz mit der Sportstättenbedarfsplanung zu beauftragen. Sowohl Vereine als auch Kommunen vor Ort nehmen die Hilfe der Fachleute gerne in Anspruch. Doch auch hier gilt: Eine einzelne Beauftragung durch jede Kommune wird am Ende teurer als ein gemeinsames Vorgehen. Eine Anfrage bei der Kreisverwaltung Ahrweiler läuft noch, nachdem das Land keine Möglichkeit einer Mitwirkung gesehen hat.

Im Rahmen der Gespräche vor Ort verwies Sauer auch darauf, dass der Sport in Rheinland-Pfalz mit Spendengeldern und Geräten den Vereinen vor Ort schnell und unbürokratisch Hilfe leistet. „Es geht darum, den Vereinen kurzfristig vor Ort zu helfen“, appelliert Sauer an die Kommunen und bittet die Einrichtung temporärer Sportanlagen schnell voranzutreiben.

Das müssen Vereine für den Wiederaufbau wissen

  • Anlagen gemeinnütziger Vereine können mit bis zu 100 Prozent aus dem Wiederaufbaufond finanziert werden. Dafür müssen die geplanten Projekte in den Maßnahmenplan des Kreises aufgenommen werden. Vereine sollten sich daher mit den jeweiligen Kommunen abstimmen.
  • Der Sportbund Rheinland sowie das ISE und die Hochschule Koblenz stehen als Berater und Moderatoren bei Planungsprozessen zur Verfügung.
  • Für Sportanlagen im Überschwemmungsgebiet gelten ggf. Bedingungen für den Wiederaufbau. Eine Beurteilung für die einzelne Sportanlage wird durch die SGD Nord im Rahmen des kommunalen Genehmigungsverfahrens vorgenommen. Die Berater können auch schon im Vorfeld durch Vereine und Kommunen hinzugezogen werden.
  • Der Sportbund Rheinland und die Stiftung „Fußball hilft“ des Fußballverbandes Rheinland unterstützen Vereine finanziell bei der Anschaffung von Sportgeräten und Einrichtungsgegenständen. Zusätzlich kann ein Zuschuss für erhöhten Trainingsaufwand gezahlt werden.

Auch die Einrichtung temporärer Sportanlagen kann durch den Sportbund Rheinland unterstützt werden.

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