Jüdische Sportstars: Zwischen Erfolg und Verfolgung

Sie errangen Siege und Medaillen für Deutschland, standen auf Siegerpodesten, füllten die Schlagzeilen und wurden für ihre sportlichen Erfolge verehrt. So unterschiedlich ihre Biografien, letztlich vereint die Frauen und Männer ein Schicksal: Nur weil sie Juden waren, wurden sie während der NS-Zeit aus ihren Sportvereinen ausgeschlossen, ihre Titel wurden aberkannt. Eine Ausstellung der Stadt Koblenz und des Sportbundes Rheinland auf dem Koblenzer Clemensplatz, die heute eröffnet wurde, erinnert an 17 herausragende deutsch-jüdische Sportlerpersönlichkeiten, die als Nationalspieler, Welt- und Europameister, Olympiasieger und Rekordhalter zu den gefeierten Idolen ihrer Zeit zählten.
Die Präsidenten des Sportbundes Rheinland, Monika Sauer, begrüßt die Gäste der Ausstellungseröffnung auf dem Koblenzer Clemensplatz.

Der Kurator der Ausstellung, Professor Dr. Lorenz Pfeiffer (Universität Hannover), schilderte den rund 30 Gästen der Ausstellungseröffnung eindrucksvoll den sportlichen Werdegang der jüdischen Sportler, deren Leben schlimmstenfalls in deutschen Konzentrationslagern endete.

Dem deutschen Fußballpionier Walther Bensemann, Mitbegründer des Deutschen Fußball-Bundes, blieb wie vielen anderen nur die Flucht. Nicht wenige Sportler, wie der Fußballnationalspieler Julius Hirsch oder die zehnfache Deutsche Leichtathletikmeisterin Lilli Henoch, wurden deportiert und ermordet. Ralph Klein entkam nur knapp der Deportation nach Auschwitz. Nach dem Krieg war er israelischer, später deutscher Basketball-Nationaltrainer.

Vorgestellt werden ebenfalls die Biografien der Fechtolympiasiegerin Helene Mayer, des Schachweltmeisters Emanuel Lasker, des Meisterboxers Erich Seelig, der Deutschen Tennismeisterin Nelly Neppach, der Deutschen Speerwurfmeisterin Martha Jacob, der Leichtathletin Gretel Bergmann, der Turnolympiasieger Alfred und Gustav Felix Flatow, der Europameister im Gewichtheben beziehungsweise im Ringen Julius und Hermann Baruch, des Eishockeyspielers Rudi Ball und des deutschen Fußballnationalspielers Gottfried Fuchs.

Die Ausstellung bietet mit der Schwimmerin Sarah Poewe aber auch einen Ausblick und stellt eine wichtige Verbindung zur Gegenwart her. Als erste jüdische Athletin nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gewann sie 2004 in Athen eine olympische Medaille für Deutschland.

„Für die jungen Menschen war es ein einschneidendes Erlebnis in ihrem Leben, aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden“, sagte Pfeiffer, um anschließend die Mitverantwortung der Sportverbände und -vereine an dem systematischen Ausschluss zu schildern. Der abschließende Appell von Pfeiffer: „Der Sport muss politisch sein und sich auch heute gegen Ausgrenzung wehren.“

Die Präsidentin des Sportbundes Rheinland, Monika Sauer, die Koblenzer Bürgermeisterin Ulrike Mohrs und Walter Desch (Präsident des Fußballverbandes Rheinland und Vertreter der DFB-Kulturstiftung) unterstrichen die Verantwortung des organisierten Sportes und der Kommunen für eine offene und tolerante Gesellschaft. „Wir müssen die Augen offenhalten, dass sich nichts von dem, was die Ausstellung zeigt, auch nur annähernd wiederholt“, sagte Desch. „Der Sport spricht alle Sprachen. An dieser Aussage und diesem Anspruch müssen und werden wir uns auch in Zukunft messen lassen“, sagte Sauer.

Die Ausstellung „Zwischen Erfolg und Verfolgung – Jüdische Stars im deutschen Sport bis 1933 und danach“ ist vom 10. September bis zum 3. Oktober auf dem Clemensplatz zu sehen. Das Projekt konnte auf Anregung und mit tatkräftiger Unterstützung der Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit e.V. Koblenz, dem Fußballverband Rheinland sowie durch die großzügige Unterstützung und Förderung der Else Schütz Stiftung realisiert werden

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