Ein Jahr nach der Flut: Sportvereine sehnen sich noch immer nach Perspektiven

Ein Jahr nach der Katastrophe: Sportbund Rheinland bietet weiterhin Hilfe an / ISE Trier und Hochschule Koblenz vor Ort
Erste Fortschritte sind im Apollinarisstadion erkennbar. Das Kleinspielfeld erhält einen Kunstrasen.

Sportbund Rheinland bietet weiterhin Hilfe an / ISE Trier und Hochschule Koblenz vor Ort

Zwölf Monate sind mittlerweile ins Land gezogen, nachdem die Flut in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 ein unvorstellbares Maß an Zerstörung und Leid im Ahrtal und der nördlichen Eifel hinterlassen hat.  Auch Sportvereine standen fassungslos vor den Trümmern ihrer Sportanalagen, Geräten und Gebäuden. Wo stehen wir heute? Was wurde bisher erreicht? Eine Antwort dazu gab SBR-Präsidentin Monika Sauer in der Mitgliederversammlung des Sportbundes Rheinland (SBR). Sie forderte mehr Tempo beim Wiederaufbau, denn teilweise sei man noch auf dem gleichen Stand wie wenige Wochen nach der Katastrophe. Viele Flutvereine sehnen sich nach Perspektiven für einen geregelten Sportbetrieb. Zum Jahrestag der Flut halten wir Rückschau, ziehen eine Zwischenbilanz und bieten weiter Hilfe an:    

SBR-Abfrage machte Ausmaß der Schäden sichtbar

90 betroffene Vereine aus acht Sportkreisen: So lautete die Bilanz nach der ersten Schadensermittlung des SBR mit dem Institut für Sportstättenentwicklung Trier (ISE) im August 2021. Auf rund 25 Millionen Euro wurde der Schaden an den Sportanlagen beziffert. Inzwischen ist klar, dass die Schäden weitaus höher liegen. Allein an der Ahr sind über 30 Sportanlagen betroffen, wovon viele komplett zerstört wurden. Insbesondere an der Mosel konnten viele betroffene Plätze inzwischen wieder hergestellt werden. In vielen anderen Kreisen wird es teils noch Jahre dauern, bis der Wiederaufbau abgeschlossen ist.

Große Solidarität und Spendenbereitschaft

Der Sport steht zusammen: Dies durften die betroffenen Vereine nach der Flut erfahren. Nach dem Wasser erreicht die Vereine eine Welle an Hilfsbereitschaft und Solidarität. Allein beim SBR sind bisher Spenden in Höhe von rund 490.000 Euro eingegangen. Hinzu kommen noch die Einnahmen aus dem Benefizspiel zwischen dem MSV Mainz 05 und dem 1. FC Kaiserslautern in Höhe von rund 130.000 Euro. Zusätzliche Spenden gingen an den Fußballverband Rheinland (FVR). Mit den Geldern haben SBR und FVR Soforthilfe für die Anschaffung von Trainingsmaterialien und Fahrtkosten geleistet. Rund 50 Vereine konnten mit über 150.000 Euro gefördert werden. Betroffene Vereine können auch weiterhin Unterstützung beantragen. „Die Förderung soll dabei die Zuwendungen aus dem Wiederaufbau ergänzen“, sagt Susanne Weber, stellvertretende SBR-Geschäftsführerin. „Daher werden vor allem die Dinge gefördert, die über den Wiederaufbaufonds nicht abgedeckt sind“, erläutert Weber die Prioritäten bei der Spendenvergabe

Vereine helfen Vereinen mit Sportgeräten

Der Landessportbund Rheinland-Pfalz hat zur Unterstützung der betroffenen Vereine im September 2021 die Aktion „Vereine helfen Vereinen“  ins Leben gerufen. Vereine in ganz RLP waren aufgerufen, gut erhaltene Sportgeräte zu spenden. Über 100 gespendete Geräte konnten auf diesem Weg an betroffene Einrichtungen übergeben werden. Auch nach Abschluss der Aktion können Vereine auf Unterstützung bei der Anschaffung von Sportgeräten vertrauen. Zum einen können diese über den Wiederaufbaufonds gefördert werden, zum anderen unterstützen auch die Sportorganisationen die Anschaffung weiterhin mit Spendengeldern.

Sportstättenbedarfsanalyse für nachhaltigen Wiederaufbau

Im Oktober legte der SBR gemeinsam mit dem ISE und der Hochschule Koblenz ein Konzept für eine Bedarfsanalyse zum Wiederaufbau der Sportstätten im Ahrtal vor. Ziel war es, Erfahrungen aus der Sportstättenplanung sowie Entwicklungen in der Sportlandschaft vor Ort als Grundlage für die Planung des Wiederaufbaus zur Verfügung zu stellen. Im Mai 2022 votierte der Kreis- und Umweltausschuss des Landkreises Ahrweiler für die Beauftragung. Die Projektgruppe hatte ihre Arbeit aber bereits im November 2021 aufgenommen. Inzwischen sind über 15 Beratungstermine und Moderationen sowie zahlreiche Gespräche zur Bedarfsermittlung geführt worden. Auch in den nächsten Monaten wird die Projektgruppe Vereine vor Ort weiter unterstützen. Vereine, die noch nicht kontaktiert wurden, sind eingeladen, sich beim Projektteam zu melden.

Freiburger Kreis übernimmt Patenschaften

Der Freiburger Kreis, ein Zusammenschluss der Großsportvereine, überraschte zehn Vereine im November mit einer Patenschaft. Ziel war es, langfristig beim Wiederaufbau mit Wissen und Personal zu helfen. Zusätzlich wurde mit Gerätespenden und Einladungen zu Trainingslagern der Sport- und Spielbetrieb unterstützt. Dem Beispiel sind viele weitere Sportvereine bundesweit gefolgt und haben die Vereine an der Ahr und in der Eifel unterstützt.

100 Prozent Förderung für den Wiederaufbau

Nicht nur fachlich, sondern auch politisch unterstützte der SBR seine Mitgliedsvereine in den vergangenen zwölf Monaten. Die 100-prozentige Förderung für Sportanlagen und funktionsbezogene Einrichtungsgegenstände sowie die Förderung für Kunstrasenplätzen (mind. 1.800 Nutzungsstunden im Jahr) konnten so erreicht werden. Darüber hinaus setzt sich der SBR für die Klärung von Fragen bei den Behörden ein und unterstützt bei der Antragsstellung. Zehn Vereine haben den Service bereits genutzt und Anträge auf den Weg gebracht. Alle übrigen haben noch bis zum 30. Juni 2023 Zeit. „Wir unterstützen auch gerne alle weiteren Vereine. Sie sollten aber nicht zu lange mit der Antragsstellung warten“, empfiehlt Susanne Weber.

Kontakt

Sie haben Probleme bei der Antragsstellung oder wissen nicht, welche Behörde oder Institution für Ihr Anliegen zuständig ist? Für die von der Flutkatastrophe betroffenen Vereine ist die stellvertretende Geschäftsführerin Susanne Weber Ansprechpartnerin. Kontakt: Susanne Weber, Telefon 0261/135-109, E-Mail susanne.weber(at)sportbund-rheinland.de

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