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„Sport ist für die Region unverzichtbar!“ - Interview mit Monika Sauer, Präsidentin des Sportbundes Rheinland

Jeder dritte Rheinland-Pfälzer ist Mitglied in einem Sportverein. Der organsierte Sport präsentiert sich als die größte Personenvereinigung im Land, sieht sich dem Breiten- und Gesundheitssport verpflichtet und ist Kaderschmiede für Athleten olympischer Sportdisziplinen. Gleichzeitig buhlen Fitnessstudios und die Sportartikelbranche mit immer neuen Trends um mehr Kunden. Vor diesem Hintergrund hat fast jedes dritte Unternehmen im Land einen Bezug zum Sport. Anlass genug für die regionale Wirtschaftszeitung der Rhein-Zeitung, das Phänomen „Sport“ in einen achtseitigen Dossier zu beleuchten. Die Präsidentin des Sportbundes Rheinland, Monika Sauer, äußert sich darin zur Bedeutung der Sportvereine für die regionale Wirtschaft und plädiert für eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Mit freundlicher Genehmigung der Rhein-Zeitung veröffentlichen wir das Interview auch auf unserer Homepage.
Wie würden Sie die Sportlandschaft in Rheinland-Pfalz charakterisieren? Vielfältig, bunt, leistungsstark – so wie die Dörfer und Städte mit den Menschen, die darin wohnen. Sport ist nicht nur ein Hobby. Welche Bedeutung hat dies für die Region und die Wirtschaft? Sport nur mit einem Hobbyfaktor zu versehen, würde seiner Bedeutung in der Tat nicht gerecht. Lassen Sie es mich auf die Formel bringen: Sport ist Konsum, Dienstleister, Werbeträger, Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor. Kurzum: Sport ist für die Region und die Wirtschaft unverzichtbar.  Blicken wir zurück: Wie haben sich Breiten- und Spitzensport in der Region im Laufe der Jahre gewandelt? Das Rheinland ist keine Metropole des Spitzensportes. Dennoch bringen Vereine durch ihre tolle Nachwuchsarbeit immer wieder Spitzensportler hervor, die sympathisch auftreten und frei von Skandalen sind. Dies gilt es mit Augenmaß voranzutreiben. Der Großteil unserer 3200 Vereine mit ihren insgesamt 632 000 Mitgliedern überzeugt darüber hinaus mit Angeboten im Wettkampfsport sowie im Breiten-, Freizeit- und Gesundheitssport. Diese haben sich im Lauf der Jahre immer mehr ausdifferenziert. Doch auch hier gilt: Weniger ist oft besser als mehr. Qualität und Seriosität sollte die Richtschnur für unser Angebot sein. War früher wirklich, wie man so schön sagt, „alles besser“? Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Früher war vieles anders, aber deshalb auch besser? Der Sport nimmt am gesellschaftlichen Wandel teil und kann diesen auch in seinem Sinne beeinflussen. Wir haben Gemeinden, in denen mehr als die Hälfte ihrer Einwohner Mitglied in einem Sportverein sind. Der Organisationsgrad im gesamten Sportbund Rheinland beträgt hingegen rund 32 Prozent. Ein Potenzial, das es auch in der Positionierung gegenüber Politik und Wirtschaft zu nutzen gilt, damit es immer besser wird. Wo sehen Sie persönlich Herausforderungen, denen sich die Sportbranche in Zukunft stellen muss? Mit geht es vor allen darum, dass wir so viel Beachtung in Politik und Wirtschaft finden, wie wir es auch verdienen. Vor kurzem las ich eine Studie, in der der Anteil des Sportsektors am Bruttoinlandprodukt auf circa 3,7 Prozent geschätzt wird und dass der Staat durch den Sport mehr Einnahmen generiert, als dieser tatsächlich Ausgaben nach sich zieht. Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss: Der Sport in Deutschland ist nicht als Kostenfaktor oder Leistungsempfänger zu betrachten, sondern als kostbares Investitionsgut, das bei öffentlicher Investition wertvolle wirtschaftliche, steuerliche und soziale Renditen produziert, deren Wert den Investitionsbetrag deutlich übertreffen. Wie kann und sollte sich aus Ihrer Sicht die Wirtschaft des Landes einbinden? Meine Aussagen, die ich zuvor an die Politik adressiert habe, gelten auch für die Wirtschaft: Sport ist ein Investitionsgut, trägt zu einem positiven Image bei und ist Gewinn bringend. Viele Unternehmen haben das erkannt. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass bundesweit der Breitensport mit jährlich 2,05 Milliarden Euro stärker gefördert wird als der Spitzensport mit 1,1 Milliarden Euro. Hauptträger dieses Sponsorings sind vor allem kleinere Betriebe, also der Bauunternehmer, der Bäcker oder die Bank vor Ort. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt! Wie wird der Sportbund hier aktiv mitwirken? Unsere Geschäftsstelle ist bestens aufgestellt. Wir unterhalten viele Kontakte zu Unternehmen und sprechen darüber, wie wir gemeinsam den Sport in der Region voran bringen und dabei eine Win-win-Situation schaffen können. Unsere Management-Akademie bietet zudem Fortbildungen in Fragen des Marketings, des Sponsorings und der Öffentlichkeitsarbeit an. Dabei sollen die Vereine vor allem erkennen, dass sie mit einem Produkt auf dem Markt sind, das auch seinen Preis haben darf. Dem Sport wird ja oft Identitätsstiftung oder eine integrierende Funktion zugeschrieben. Stimmen Sie dem zu? Uneingeschränkt ja. Dies betrifft nicht nur die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit,  sondern auch die Rolle des Sportvereins in der Kommune. Der Sport bestimmt im großen Maß die Identität einer Gemeinde. Integration und mit ihr Migration und Inklusion sind seit jeher Markenzeichen des organisierten Sportes. Dies stellen die Vereine derzeit eindrucksvoll in der Bewältigung der Flüchtlingskrise unter Beweis.
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