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„Das ist kein partnerschaftlicher Umgang“

Zwischenfazit zu Wahlarenen des Sports: Mehr Sichtbarkeit und klare politische Zusagen gefordert
Fordern mehr Sichtbarkeit und klare politische Zusagen (v.l.): Rudolf Storck (LSB-Präsident und Präsident Sportbund Pfalz), Klaus Kuhn (Präsident Sportbund Rheinhessen), Monika Sauer (Präsidentin Sportbund Rheinland) und Asmus Kaufmann (Geschäftsführer Sportbund Pfalz). Foto: Michael Heinze

Der Landessportbund und die regionalen Sportbünde Rheinland, Pfalz und Rheinhessen ziehen ein deutliches Zwischenfazit ihren landesweiten Wahlarenen, die seit dem 4. Juni 2025 in Mainz, Zweibrücken und Neuhäusel und mit im Landtag vertretenen Parteien durchgeführt wurden. Das Ziel, zentrale Sportforderungen in den Wahlprogrammen zu verankern, wurde durch großen Einsatz erreicht.

Sport braucht eigene politische Verankerung

LSB-Präsident Rudolf Storck macht klar: Die Wahlprüfsteine, die zu den vergangenen Landtagswahlen an die Parteien versendet wurden, hätten kaum Wirkung gezeigt. „Was nicht im Wahlprogramm steht, wird nicht im Koalitionsvertrag stehen.“ Der Sport hat die zentrale Forderung nach einer eigenen Abteilung „Sport“, im besten Fall in der Staatskanzlei. Der Sport dürfe nicht länger Anhängsel anderer Ministerien oder Abteilungen sein. „Immer heißt es … und für Sport, … und für Sport“, zählt Storck auf. Das muss sich bei der nächsten Landesregierung ändern. Beispielhaft kritisiert er, dass beim Sondervermögen der Sport nicht die erwarteten zehn Prozent erhalte, sondern gerade einmal ein Prozent. Ohne, dass aus der Politik eine Info an den Sport ging. „Das ist kein partnerschaftlicher Umgang.“

Sportstätten: 1,5 Milliarden Euro Sanierungsstau

In der Wahlarena Rheinhessen stand die dramatische Lage der Sportstätten im Fokus. Die Forderungen des organisierten Sports lauten deswegen: Es müsse einen Sportstättensanierungsplan 2030 und einen Sportstättenatlas geben, erläutert Sportbund Rheinhessen Präsident Klaus Kuhn. „Wir hatten große Erwartungen an das Sondervermögen und die angekündigte Bundesmilliarde für den Sport. Doch diese Hoffnungen wurden enttäuscht. Von den dringend benötigten 440 Millionen Euro für Rheinland-Pfalz blieb kaum etwas übrig. Dazu wissen wir nicht mal verbindlich, welche Sportstätten es im Land gibt. Hier braucht es dringend einen Sportstättenatlas. Bisher hat die Landespolitik keine Anstalten gemacht, den Sportstättenatlas aufzustellen, weshalb wir diesen aktuell mit der Hochschule Koblenz selbst angehen.“

Schwimmen: Schlusslicht Rheinland-Pfalz – Vereine stark belastet

Monika Sauer, Präsidentin des Sportbundes Rheinland, kritisiert die fehlenden Trainingsmöglichkeiten und die zu hohen Kosten im Schwimmen. „Rheinland-Pfalz ist das einzige Bundesland ohne 50-Meter-Hallenbad. Das kann man sich nicht vorstellen – und ist einfach nur traurig“, so Sauer. Wenn wir über Olympia in Deutschland reden, hätten Kinder aus der Eifel keine Chance auf eine Teilnahme – das dürfe nicht der Anspruch einer Landesregierung sein, so Sauers Vorwurf. Ein neues 50-Meter-Hallenbad kann die insgesamt fehlenden Wasserzeiten und die vielfach zu hohen Kosten in kommunalen Schwimmbädern für die Schwimmvereine und DLRG-Vereine nicht auffangen. Der LSB und die Sportbünde unterstützten deswegen die Petition zur Überarbeitung des Sportförderungsgesetzes von 1974, um Schwimmvereine zu entlasten. „Schwimmen rettet Leben – aber nur, wenn man es wohnortnah lernen kann.“

Ehrenamt: 600.000 Engagierte – aber viel zu viel Bürokratie

Asmus Kaufmann, Geschäftsführer des Sportbundes Pfalz, fordert konsequente Entbürokratisierung und vereinfachte Förderstrukturen. „Ein 100-Mitglieder-Verein kann nicht wie ein Großkonzern behandelt werden.“ DSGVO, GEMA, E Rechnung, Grundsteuerreform oder Energieverordnungen seien am Ehrenamt vorbeientwickelt. Der Sport brauch hierbei bessere Unterstützung – ähnlich wie sie für andere Ehrenamtsbereiche bereits besteht. Der organisierte Sport hat frühzeitig geliefert und klare Forderungen formuliert. Jetzt ist die Landespolitik am Zug, den Sport sichtbar zu verankern, Strukturen zu stärken und Vereine zu entlasten. Rheinland-Pfalz braucht eine neue Sportpolitik – mutig, verbindlich und verlässlich.

Weitere Infos zu den Wahlarenen sowie zur Landtagswahl 2026 gibt es hier.

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