Artikel merken

"Viele können sich ein Engagement vorstellen, aber..."

Werner Gorges ist 1. Vorsitzender des FSV Trier-Tarforst e.V. 1946. Dieses Amt will er nun nach über zwei Jahrzehnten abgeben. In einem Gastbeitrag verfasst er seine Gedanken und die Herausforderungen, die eine Suche nach einer passenden Neubesetzung mit sich bringt. Außerdem erklärt er, wie ihm die vom Sportbund Rheinland angebotene Vorstandsklausur dabei hilft.

Seit 35 Jahren leiste ich nun schon ehrenamtliche Vorstandsarbeit beim FSV Trier-Tarforst. Von 1990 bis September 2001 zunächst als 2. Vorsitzender in der ehrenamtlichen Vereinsverantwortung. Seit Oktober 2001 bis heute bin ich Vorsitzender des zweitgrößten Vereines in Trier.  

In dieser Zeit ist es mir und meinem Vorstandsteam gelungen, die Mitgliederzahlen um 60 Prozent auf 1.850 zu steigern und die Sportangebote, um ein Vielfaches zu erweitern. Auch finanziell ist der Verein aktuell zufriedenstellend aufgestellt. Ein weiterer wichtiger Faktor der Arbeit in den letzten Jahren war die Verbesserung der sportlichen Rahmenbedingungen für fast alle Sportlerinnen und Sportler auf der Tarforster Höhe. Dies gilt für die Hallensportarten ebenso wie für die Outdoor-Angebote. Schon 2001 beschloss der Vorstand unter meiner Leitung, dass die Erfüllung der vielfältigen Aufgaben nur in einer Mischform von Ehren- und Hauptamt erfolgen kann. So haben wir damals bereits einen hauptamtlichen Geschäftsstellenleiter eingestellt. 

Bereits vor längerer Zeit habe ich für mich persönlich nun den Entschluss gefasst, den klassischen Vorsitzenden innerhalb des FSV Trier-Tarforst aufzugeben. Ich möchte neue Strukturen aufbauen, die in den nächsten Jahren Stabilität bringen und die Fortführung der vielen Angebote sicherstellen sollen. 

Aufgrund des starken Wachstums des Vereins in den letzten Jahren, auch durch die Schaffung von neuen Angeboten wie Reha- und Gesundheitssport, der starken Nachfrage in den bestehenden Angeboten, der Implementierung eines Gerätezirkels und den damit verbundenen Baumaßnahmen sowie der im Allgemeinen immer größer werdenden gesellschaftlichen Herausforderungen sind die Anforderungen auch an den Vorstand immer größer geworden. Auch wenn die fachlichen Kompetenzen innerhalb des aktuell sechsköpfigen Vorstands breit und gut verteilt sind, gelangen die ehrenamtlich tätigen Vorstandsmitglieder aufgrund ihrer hauptberuflichen Verpflichtungen an ihre Grenzen.  

Hinzu kommt, dass die aktuelle Besetzung der Geschäftsstelle an der Kapazitätsgrenze angelangt ist. Für mich als pensionierten Vereinsvorsitzenden fallen somit neben repräsentativen auch einige operative, sowie Tätigkeiten aus anderen Bereichen an. Somit fallen teilweise wöchentlich über 20 Stunden an, die ein eventueller Nachfolger vielleicht nicht investieren kann. Zumal es in der heutigen Zeit immer schwieriger wird, Menschen zu finden, die sich ehrenamtlich im Verein engagieren. Es bleibt allerdings festzustellen, dass sich viele ein Engagement vorstellen können – aber in einem begrenzten zeitlichen Rahmen. 

Bevor ich, bzw. wir, nun auf die Suche nach geeigneten Kandidaten gehen, wollen wir zunächst die Arbeitsbereiche und Aufgabenvielfalt definieren. Sprich, wie viele Personen benötigen wir für die Ausübung dieser Arbeiten in einem Team. Ferner ist vorgesehen in einem Workshop die Zielsetzung für die nächsten Jahre klar zu definieren. Wir werden natürlich Personen aus dem näheren Vereinsumfeld ansprechen, aber auch Menschen die vorher gar nicht im Verein aktiv waren. Denn ein Blick von außen kann schließlich hilfreich sein, um vielleicht eingefahrene Routinen bzw. Sichtweisen aufzubrechen.  

In einer der letzten Sitzungen diskutierten wir im Vorstand über das Thema „Vereinsstrukturen und FSV Trier-Tarforst 2046“. Hierbei wurde klar, dass eine Anpassung und Veränderung nicht innerhalb einer Vorstandsitzung festzulegen ist. Ich habe vorgeschlagen, dass Angebot des Sportbundes Rheinland (SBR), eine Anpassung und Veränderung aufzugreifen und eine Vorstandsklausur, die neutral fachlich moderiert wird, durchzuführen. Dem wurde dann auch einstimmig zugestimmt. 

Die von Florian Brechtel im Auftrag des SBR moderierte Vorstandsklausur hat uns in einigen Bereichen neue Erkenntnisse gebracht. Viele unserer Erwartungen konnten an diesem Tag erfüllt werden. So werden wir unter anderem die Satzung und Geschäftsordnung des Vereines in verschiedenen Passagen und Punkten anpassen. Die Inhalte bzw. die Impulse, die gegeben wurden, werden nun in den nächsten Sitzungen weiter beraten und diskutiert. 

Fortschritte und positive Entwicklungen entstehen durch Visionen und Diskurse. Wichtig ist uns auch, den Gedanken des Ehrenamts, trotz der Größe des Vereins, weiter zu fördern und nicht verschwinden zu lassen. Es muss wie bei vielen Dingen eine gesunde Mischung sein. 

Zurück