Zwischen Hoffen und Bangen: Platzen die Träume der Sportler nach der Flut?

Die Unruhe unter den Sportvereinen mehr als ein Jahr nach Flutkatastrophe im Ahrtal wächst. Dies ist die nüchterne Erkenntnis des Sportbundes Rheinland (SBR), nachdem der Dachverband Infoabende der Ahr-Kommunen für Sportvereine mit initiiert hatte. Die ersten Veranstaltungen dieser Art fanden kürzlich in Bad Neuenahr-Ahrweiler und Sinzig statt. Die stellvertretender SBR-Geschäftsführerin Susanne Weber, die die Flut-Vereine betreut, zieht nun eine erste Bilanz, in der eine große Sorge mitschwingt: Platzen die Träume der Sportler nach der Flut?

Denn nur ein Traum ist bisher war geworden. In Bad Bodendorf darf bereits seit Juni auf dem neuen Kunstrasen gekickt werden. Dies verdanken die Sportler allerdings nur der Tatsache, dass der Platz bereits vor der Flut im Bau war und somit alle erforderlichen Genehmigungen vorlagen. Außerdem war die Finanzierung gesichert. Andernorts dürfen die Vereine auf die Fertigstellung der ersten Sportanlagen in den nächsten Monaten wenigstens hoffen. Die meisten brauchen allerdings noch einen langen Atem bis sich – wenn überhaupt - ihre Träume erfüllen.

Wo es noch hakt, ist dies vielfach abhängig von der Lage der Anlagen, aber nicht nur. Denn Grundsatzentscheidungen über den Wiederaufbau sind auch politisch zu treffen. Nach über einem Jahr schwindet das Verständnis bei den Vereinen, dass die Prüfung der Eignung von Flächen noch nicht abschlossen ist. Klare Kante hatte hier zuletzt der Stadtrat von Bad Neuenahr-Ahrweiler gezeigt und einen Wiederaufbau des Sportplatzes in Walporzheim ausgeschlossen. Eine Entscheidung, über die sich der SV Walporzheim nicht freut. Sie macht aber den Weg frei für eine andere Planungen auf den betreffenden Flächen. Eine neue Heimat für den Verein muss noch gefunden werden, denn auch nach der Ratsentscheidung sind noch einige Steine aus dem Weg zu räumen.

„Von einem schnellen und unbürokratischen Wiederaufbau kann im Sport keine Rede sein“, resümiert auch SBR-Präsidentin Monika Sauer angesichts des langsamen Fortschritts. „Hochwasserschutz und Bauvorschriften drohen den Sport aus den Orten zu verdrängen. Anstelle von bedarfsgerechten Lösungen wird durch den Wiederaufbaufonds die Erhaltung des Bisherigen begünstigt“, kritisiert Sauer die sich abzeichnende Entwicklung. Eine Kritik, die auch die Vereine teilen und eine Einbindung in die Planungen fordern.  Schließlich soll die Anlage die Bedürfnisse der Nutzer erfüllen.

Die Wünsche der Schulen und Vereinsgruppen hatten das Institut für Sportstättenentwicklung Trier (ISE) und die Hochschule Koblenz bereits im Frühjahr erfasst und erste Ergebnisse den Kommunen zur Verfügung gestellt. Der Abschlussbericht der Sportstättenbedarfserhebung wird in Kürze folgen. Doch eine Umsetzung der Empfehlungen ist fraglich, wenn die Kommunen Neuerungen oder Erweiterungen teilweise selbst tragen müssen. Erfreulich ist, dass hierfür zumindest die Sportförderung herangezogen werden kann, allerdings sind die dort vorgesehenen Antragsfristen zu beachten, wodurch der Wiederaufbau sich weiter verzögern wird. Ob ein vorzeitiger Maßnahmenbeginn möglich ist, muss noch geklärt werden.

Auch bei der Kommunikation, eigentlich der Schlüssel in jeder Krise, klemmt es immer wieder. Mit den Infoabenden der Kommunen ist ein erster Schritt getan. Doch dass die Vereine bei den Planungen mitgenommen werden sollten, ist noch längst nicht bei allen Verantwortlichen angekommen. Vereinsvorstände sind auf Informationen angewiesen, um die Mitglieder bei der Stange zu halten. Nur wenn die Vereine überleben, werden sie auch in Zukunft sozialer Treffpunkt und Heimat für die Einwohner sein können. „Nehmen Sie uns mit, lassen Sie uns den Wiederaufbau gemeinsam vorantreiben“, appelliert Monika Sauer daher an die Kommunen.

Doch es klemmt bei weitem nicht nur auf der kommunalen Ebene. Verfahrenswege werden erst im laufenden Prozess definiert. So ist nun klar, dass Vereine mit Pachtvertrag nicht antragsberechtigt für den Wiederaufbau der Sportanlage sind. Immerhin kann eine Kommune den Verein mit dem Wiederaufbau betrauen und kann so die Umsetzung auf mehrere Schultern verteilen. Die Vereine würden gerne aktiv werden und nicht länger tatenlos zusehen müssen, wie Monat um Monat der Wiederaufbau voranschreitet – eben nur nicht im Sport.

Der Sportbund Rheinland wird auch weiter mit den Kommunen und dem Land den Austausch suchen, um den Wiederaufbau zu beschleunigen. In Sachen Kommunikation wurde ein regelmäßiger Austausch bereits vereinbart. Nun gilt es, auch bei der Förderung und der Flächenfindung die Weichen für einen nachhaltigen Wiederaufbau zu stellen.



Das wünschen sich die Sportler von Kommunen und Behörden

  • Regelmäßige Information zum Sachstand des Wiederaufbaus in den einzelnen Kommunen
  • Berücksichtigung der Bedürfnisse der Vereine bei der Planung der Sportanlagen
  • Aufnahme von konkreten Planungen für alle Sportanlagen
  • Klare Leitlinien für die Antragsbearbeitung, die auch nach außen transparent sind
  • Möglichkeit eines vorzeitigen Baubeginns bei der Kombination von Wiederaufbau mit der regulären Sportstättenförderung


Was ist die Sportstättenbedarfserhebung?

Das Institut für Sportstättenplanung (ISE) und die Hochschule Koblenz haben im Auftrag der Kreisverwaltung Ahrweiler die Funktionen erhoben, die Sportstätten aus Sicht der verschiedenen Nutzergruppen erfüllen sollten. Mittels verschiedener Verfahren (z.B. Nutzergespräche vor Ort, Auslastungsanalyse der Sportstätten, Befragungen) wurden die sportfachlichen Bedarfe mit Blick auf den Ort/die Lage der Sportstätten, deren Erreichbarkeit, die Größe, die Ausstattung sowie die Ausgestaltung (z.B. Kunstrasen oder Naturrasen) aufgenommen. Die Daten können den Kommunen als Entscheidungsgrundlage für den Wiederaufbau dienen. Berücksichtigt wurden neben den Sportvereinen auch andere Nutzergruppen wie Schulen und Kindergärten. Die Nutzung für den nicht-organisierten Sport (z.B. Bolzplätze, Mehrgenerationensportanlagen) wurde mit den Kommunen und Vereinen vor Ort ebenfalls diskutiert. Die Veröffentlichung wird für Ende des Jahres 2022 angestrebt.

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