Vortrag „Leichter lernen durch Bewegung“ von Prof. Spitzer begeistert 500 Besucher

Es gibt nichts Besseres, was Jugendliche für ihre Gehirnentwicklung zu können als Sport zu treiben. Im letzten Satz seines ebenso unterhaltsamen wie informativen und lehrreichen Vortrags unter dem Motto „Leichter lernen durch Bewegung“ brachte es der renommierte Hirnforscher Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer, Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm, vor 500 Zuhörern in der ausverkauften Mensa des Mainzer Otto-Schott-Gymnasiums auf den Punkt.

„Das beste Gehirnjogging ist Jogging“, sagte Spitzer, der auf Einladung des Landessportbundes und zahlreicher angegliederter Organisationen des rheinland-pfälzischen Sports in der Landeshauptstadt zu Gast war. „Wenn man seinen Körper anstrengt, passiert im Kopf Wachstum dessen, was da ist.“ Der Wissenschaftler warnte jedoch davor, sich regelmäßig zu überanstrengen. Zwei Stunden Sport pro Woche, das reiche beileibe nicht. Besser sei es, seinen Body täglich in Schwung zu bringen. Und sei es nur der Weg zur Arbeit mit dem Drahtesel. Drei- bis fünfmal Jogging pro Woche sei famos, von einem Marathon riet Spitzer Ottonormalbürgern indes eher ab. Zu ungesund für einen Durchschnittskörper. „Marathonlauf ist fürs Hirn nicht so gut – Sie sind zu ausgepowert hinterher“, sagte der promovierte Mediziner, Philosoph und Diplom-Psychologe, der sich 1989 für das Fach Psychologie habilitierte. „Wenn irgendetwas weh tut, hören sie auf“, so sein Credo. „Es sei denn, dass Sie eine Goldmedaille holen wollen. Wenn Sie aber Sport machen, um gesund zu sterben – machen Sie es nicht.“ Eine glänzende Idee sei es, eine Sportart zu wählen, die einem Spaß macht. „Wenn einem etwas wirklich Spaß macht, schafft man es auch am ehesten, durchzuhalten.“ Das gelte gerade auch für Kinder.

Jogging durch Wald und Flur sei dem Laufen auf dem Laufband im Zweifelsfall vorzuziehen. „Wenn man durch den Wald joggt, hat das Gehirn viel mehr zu tun, es ist dann viel mehr gefordert und läuft besser“, erläuterte der erfolgreiche Buchautor, der bei Denkblockaden oder Kreativitätsengpässen selbst gerne laufen geht und danach den Kopf wieder frei hat. „Wenn man durch die Natur joggt, ist macht hinterher am kreativsten.“ Das sei wissenschaftlich erwiesen. Denn Ausdauertraining lässt die Neuronen, die Bausteine des Denkens, wachsen. Dann legt der Mensch 1400 Nervenzellen pro Tag zu. Mindestens. Intellektuelle Leistungsfähigkeit hänge eng mit körperlicher Betätigung zusammen. „Im gesunden Geist wohnt eine gesunder Körper“, sagte Spitzer. „Aber um den gesunden Körper müssen wir uns eben auch kümmern.“

Mit Blick auf die schulische Bildung stellte der 58-Jährige klar, dass Fächer wie Sport, Musik, Bildende Kunst, aber auch Theaterspielen und Handarbeit aus seiner Sicht viel mehr Bedeutung auf dem Stundenplan gewinnen müssten. Vehement untermauerte Spitzer in diesem Zusammenhang die Thesen, die er unter anderem in seinem Beststeller „Digitale Demenz“ aufgestellt hatte. Alle Schüler mit Notebooks auszustatten und die Computerspiel-Pädagogik zu fördern, sei mehr als bedenklich. Digitale Medien wie Smartphones schadeten Kindern und Jugendlichen deutlich mehr, als sie ihnen nutzten. „Wir geben Steuergelder dafür aus, damit Kinder dümmer werden“, sagte der international bekannte Wissenschaftler – und erntete dafür tosenden Applaus. „Wir haben alle Evidenz der Welt, dass das kontraproduktiv fürs Lernen ist. Smartphones machen Jugendliche zu seelenlosen, willenlosen Menschen, die Dinger zerschießen uns unsere Willensbildung.“ Die schwachen Schüler würden dadurch noch schwächer werden. „Wenn man aber Handys aus der Schule draußen hat, wird die Schulleistung besser – wobei die schwächsten Schüler am meisten profitieren.“