Web-Forum Nachwuchsleistungssport vor Ort: Ideen aus dem US-Sport kopieren

Die Sieger des Wettbewerbs "Bäm Plopp Boom 2020"

Das Interesse war groß: 80 Teilnehmer*innen aus allen Ecken von Rheinland-Pfalz wollten am Donnerstagabend beim digitalen Forum „Nachwuchsleistungssport vor Ort“ mit von der Partie sein, zu dem der Sportbund Rheinland geladen hatte. Ein Highlight dabei war der Impulsvortrag von Thomas Bojanowski von der Agentur Scholarbook aus Neuhäusel, in dem er spannende Einblicke lieferte und Ideen skizzierte, die die rheinland-pfälzischen Sportvereine von US-Sport kopieren können.

Im Anschluss an die einführenden Worte von Martin Weinitschke, Geschäftsführer beim Sportbund Rheinland, und Miriam Welte, LSB-Vizepräsidentin Leistungssport, stieg Bojanowski direkt ein in seinem Vergleich zwischen den beiden Sportsystemen. In den Staaten zeichne sich das System durch eine enge Kooperation zwischen den 1.500 teilnehmenden Universitäten und den Sportvereinen aus. „Die Besonderheit am amerikanischen System ist die sportartenübergreifende Querfinanzierung“, machte der frühere deutsche Jugendhallenmeister über 800 Meter (2009), der in Remagen Sportmanagement studiert hat, deutlich. „Besonders aufgefallen ist mir auch die Nutzung von Synergien zwischen den Abteilungen. Bei Vollstipendien sind es große Summen, um die es geht – 40000 bis 60000 Euro im Jahr.“ Der Fokus in den USA liege auf der Einhaltung der Regelstudienzeit, durch die Stipendien seien die Talente finanziell abgesichert.

Besonders beeindruckt habe ihn der Teamspirit in den Einzelsportarten. Genauso wie die Anerkennung der „Athlet*innen der Woche“. Eine Auszeichnung, die sich auch in RLP-Gefilden bestens umsetzen lasse. Zum Beispiel mit einem T-Shirt, das alle Jungs und Mädels bekommen, die bei einer DM mit von der Partie waren. „Das macht einfach unheimlich viel aus für junge Athlet*innen“, weiß Bojanowski. Abschauen könne man sich auch regelmäßige Teammeetings, in denen man sich auf den Wettkampf einschwört. „Man holt die Gruppe zusammen, hält eine kurze Ansprache – und dann kommt auch schon die Gänsehaut mit der Vorfreude auf den Wettkampf oder das Turnier.“

Im zweiten Teil des Online-Forums zogen sich die Leistungssport-Schaffenden in drei sogenannte Breakout-Sessions zurück, in denen Vertreter von JSV Speyer (Mira Hofmann), LLG Hunsrück (Dirk Müller) und SV Fischbach (Edgar Hammes) im kleineren Kreis aus dem Nähkästchen plauderten. „Mit jedem Trainer, den wir angestellt haben, sind auch die Erfolge gewachsen“, verriet etwa Mina Hofmann. Dank der separaten Sitzungen fand auch in der digitalen Variante des beliebten Forums ein reger persönlicher Austausch statt.

Projektkoordinatorin Fabienne Spies vom Institut für Sportwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz präsentierte dem virtuellen Plenum das Pilot-Projekt „MeinSport – probieren, trainieren ein Leben lang!“, das aus einem Talententwicklungsprojekt hervorgeht und im Juni 2020 gestartet ist. Die Erkenntnis der Forscher*innen um Spies: Höchstleistung im Erwachsenenalter kann man nicht zwingend mit einem frühen Einstieg in die Hauptsportart gleichsetzen – und sportmotorische Merkmale sind zeitlich instabil. Ein Problem quer durch alle Sportarten sind sehr hohe Drop-out-Raten etwa aufgrund von abnehmender Motivation oder aber aufgrund von mangelnder Unterstützung durch das Elternhaus. Zurzeit wertet die Forschergruppe gerade die Daten aus, die in den vergangenen Monaten erhoben wurden. Großes Ziel ist neben einer verstärkten Kooperation zwischen Schule und Sportverein eine stärkere Bindung der Kinder an die Vereine. Ein enormer Forschungsbedarf besteht in den Augen der Sportwissenschaftler nicht zuletzt auf dem Sektor des Talenttransfers.

Thomas Kloth, Leistungssport-Abteilungsleiter beim LSB, stellte die sechs herausragenden Vereine vor, die beim Vereinswettbewerb Bäm Plopp Boom im vergangenen Jahr mit 10.000 Euro prämiert wurden – bei den Vereinen mit mehr als 300 Mitgliedern die Judoka des JSV Speyer mit dem Projekt „Leiter in die Liga“, die Fechter der Coblenzer Turngesellschaft 1880 („Wir machen die Meister von Morgen“), die Badminton-Spieler des SV Fischbach („Unser Dorfverein ist Spitze im Badminton!“) sowie bei den Vereinen mit weniger als 300 Mitgliedern die Leichtathleten der LLG Hunsrück („Stärkung des Nachwuchses – weiterer Ausbau der Trainingsbedingungen“), die Badminton-Spieler des SV Offenheim („Nur gemeinsam erreichen wir Großes – Projekt IG Badminton Rheinhessen“) und die Karateka des KSC Puderbach („On the road to X“). „Primär wollen wir Projekte fördern, die sich Talentförderung auf die Fahnen geschrieben haben“; stellte Kloth klar. „Die Vereine, die 2020 prämiert worden sind, haben in diesem Jahr übrigens die gleiche Chance wieder.“ Anmeldeschluss ist am 28. Februar; weitere Infos auch unter www.bämploppboom.de.