Der organisierte Sport ringt um sein Selbstverständnis

In der Hauptausschusssitzung des Sportbundes Rheinland entzündet sich eine Diskussion an der Beförderung des LSB-Präsidenten ins Innenministerium.

Wie viel Nähe zur Politik tut dem Sport in Rheinland-Pfalz noch gut? An dieser Frage entzündete sich im Hauptausschuss des Sportbundes Rheinland eine lebhaft-engagierte Diskussion. Auslöser war der Bericht der SBR-Präsidentin Monika Sauer unter Punkt „Zur Arbeit im Landessportbund“. Sauer legte dar, dass der kommissarische LSB-Präsident Jochen Borchert beruflich befördert worden sei und von der Polizei ins Innenministerium gewechselt habe.

Ergebnis der Debatte ist nun eine Empfehlung des Hauptausschusses an die SBR-Präsidiumsmitglieder, die auch im LSB-Präsidium stimmberechtigt sind. Es solle schnellstmöglich eine Findungskommission für die Nachfolge Jochen Borcherts eingesetzt werden. Sollten zwischenzeitlich Interessenkonflikte auftreten, müssten im LSB-Präsidium Vertretungsregelungen genutzt werden. Bei diesen Prozessen dürfe Jochen Borchert nicht beschädigt werden.

In der Aussprache zum Bericht äußerten viele Fachverbände ihr Befremden über die neue Postenkonstellation in Mainz und sparten nicht mit Kritik. Für Peter Radermacher (Turnverband Mittelrhein) sind die gleichzeitigen Funktionen von Borchert ein „No go“, und er prophezeite „aufkommende Konflikte“. Nach Ansicht von Klaus Roos (Deutscher Alpenverein) führt die derzeitige Situation zur „Lähmung des Landessportbundes und der Sportbünde. Eine Präsidentenfindung und eine Mitgliederversammlung sollten sofort in die Wege geleitet werden. Lutz Itschert (Ruderverband Rheinland) forderte, wegen möglicher Interessenkonflikte Jochen Borchert aus Gesprächen mit dem Innenministerium herauszunehmen.

Auch Sportkreisvorsitzende äußerten ihren Unmut. „Ihr seid nicht mehr handlungsfähig. Das Ganze muss so schnell wie möglich abgestellt werden, aber wir haben es auch selbst verschuldet“, sagte Bernd Pohl (Sportkreis Birkenfeld) auch im Hinblick auf den Rücktritt von LSB-Präsident Lutz Thieme im Vorfeld. Felix Jäger (Sportkreis Trier-Saarburg) sprach sich gar dafür aus, Jochen Borchert aufzufordern, alle Ämter im LSB niederzulegen und bezeichnete die derzeitige Situation als eine „Katastrophe“. Edwin Scheid (Sportkreis Cochem-Zell) appellierte an alle, trotz der Richtigkeit der Argumente, die Person Borchert nicht zu beschädigen.  

„Dass ein LSB-Präsident Mitarbeiter der Sportabteilung im Innenministerium ist, halte ich für eigenartig. Man muss abwarten, wie sich das entwickelt“, sagte LSB-Vizepräsident Walter Desch. „Wir wussten von der Planung nichts, erst als alles schon Faktum war.“ Im Zuge der Diskussion bezeichnete SBR-Präsidentin Monika Sauer die Rolle des organisierten Sportes gegenüber der Politik als die eines Lobbyisten. „Vertreter eines Lobbyistenverbandes und gleichzeitig Untergebener in einem Ministerium zu sein halte ich für schwierig“, sagte Sauer verwies aber darauf, dass das LSB-Präsidium die jetzige Situation bis zur nächsten LSB-Mitgliederversammlung im Sommer 2020 gebilligt habe.