Special Gesundheitssport: Wie die V-Form des Fußes zerstört wird

Es war ein Abend der Extreme: Wie nähere ich mich einem Körperteil, der für ein menschliches Leben tragend ist? Der Fuß mit seinen 26 Knochen, 33 Gelenken, 100 Bändern, diversen Muskeln und Sehnen als Thema des Specials Gesundheitssport des Sportbundes Rheinland lockte rund 300 Zuhörer in die Fachhochschule Koblenz. Eine Resonanz, hinter der sich viele Erwartungen verbragen.

Die V-Form des Fußes steht im Mittelpunkt des Vortrages von Barefoot-Experte Emanuel Bohlander. Foto: W. Höfer

Und die Referenten des Abends, Dr. med. Wolfram Wenz, auch bekannt durch die Fernseh-Dokuserie „Die Knochen-Docs“ sowie Barfuß-Trainer Emanuel Bohlander lieferten eine Fülle von  Einsichten und Erkenntnisse, die durchaus geeignet sind, Sichtweisen auf unseren Lebensstil ins Wanken zu bringen.

„75 Prozent aller Operationen am Fuß hängen direkt oder indirekt mit dem falschen Schuhwerk zusammen“, sagte Wenz, der seinen Zuhörern Einblicke in die Anatomie des Fußes verschaffte, Ursachen für entsprechende Krankheiten erklärte und vor allem Bewegungsbilder vor und nach einer Operation präsentierte. Erste Alarmzeichen sind nach Wenz Schwielen und Druckstellen am Fuß, ausgelöst durch falsche Druckverteilung und zu große Belastungen. Frühzeitig erkannt, können komplizierte und langwierige Behandlungen vermieden werden.

Eine Absage erteilte Wenz in diesem Zusammenhang Schuheinlagen, ein probates Mittel vieler Orthopäden, um Fehlstellungen zu korrigieren und Schmerzen zu lindern. „Ein guter Fuß braucht keine Einlage, einem schlechten Fuß wird eine Einlage nicht helfen.“ Kritisch setzte sich der Mediziner auch mit dem Einsatz von Prothesen des oberen Sprunggelenkes auseinander. Die Festigkeit einer solchen Prothese ließe schnell nach, nachfolgende Eingriffe seien programmiert. Die herkömmliche OP-Methode - eine Versteifung des Gelenks - garantiere eine nachhaltige Korrektur der Fehlstellung und somit Schmerzfreiheit. Wenz entkräftete den Mythos, wonach nach einer Versteifung kein Sport mehr möglich sei und untermauerte dies mit zahlreichen Bewegungsbildern.

„Viel Ruhe“ verordnet der Mediziner nach einer Fuß-OP, wobei er gleichzeitig den Finger in die Wunde legt. Ziel im Profisport sei es, den Athleten so schnell wie möglich wieder in den Wettkampf zu bringen - nicht selten mit herben Rückschlägen verbunden.

Herbe Rückschläge musste auch Emanuel Bohlander auf seinem Weg zum Barfußläufer einstecken. Zu viel Ehrgeiz und noch unausgereiftes Wissen attestierte sich der begeisterte Jogger, sammelte fortan theoretische Erkenntnisse, die er praktisch erprobte und derzeit in der „Barefoot Academy Düsseldorf“ an Trainer vermittelt.

„70 Prozent der Statik des menschlichen Körpers wird vom Fuß aus gesteuert“, sagte Bohlander und verweist auf unsere Vorfahren. „Wir waren Jäger und Sammler und haben unsere Wege zu Fuß und ohne Schuhwerk zurückgelegt.“ Aber wie sahen die Füße unserer Vorfahren aus? Einen unverfälschten Blick darauf in der Gegenwart bieten, so Bohlander, die Füße eines Neugeborenen – in der Form eines V.

Bohlander macht ebenso wie Wenz hauptsächlich unser Schuhwerk dafür verantwortlich, dass Füße im Laufe des Lebens schlapp machen. „Eine breite Schuhform, in der die Zehen genügend Platz haben, widerspricht unserem Schönheitsideal“, sagte Bohlander. „Breite Füße werden als primitiv angesehen.“

Wer sich auf den Weg zum Barfußläufer machen will, brauche vor allen Dingen eins: viel Geduld, um seine Füße an die veränderte Umgebung zu gewöhnen. Behutsam sollte die Laufstrecke erweitert und damit auch der Laufstil verändert werden.

Bohlander hat´s geschafft. Er hat sich mit seinem Barfuß-Team zum nächsten Köln-Marathon angemeldet. Übrigens: Der Referent trug das Anschauungsmaterial zum SBR-Special Gesundheitssport am unteren Ende seines Körpers. Er hielt, wie sollte es auch anders sein, seinen Vortrag barfuß.

Unseren Videobericht zur Veranstaltung finden Sie hier: Sportbund Rheinland-TV.