Ehrenamt im Sport: Ein schlummerndes Potential will geweckt werden

Sind in Ihren Vereinen Vorstandsposten unbesetzt? Wie sieht es bei der Gewinnung von Übungsleitern aus? Die Tendenz auf die Fragen beim Forum des Sportbundes Rheinland war eindeutig. Rund zwei Drittel der rund 70 Teilnehmer sehen bei der Gewinnung von ehrenamtlichen Mitarbeitern in ihrem Verein ein Problem - sowohl auf der Funktionärsebene als auch im praktischen Trainings- und Übungsbetrieb.

„Mangelware Ehrenamt – Wie groß ist das Problem wirklich?“ So war das SBR-Forum überschrieben. Und der Referent des Abends, LSB-Präsident Professor Dr. Lutz Thieme, präsentierte Studien, die zwar nicht die Sorgen linderten, jedoch zu einer Versachlichung der gefühlten Problemlage beitrugen. Und durchaus auch Mut machen können.

Denn wie kaum in einer anderen gesellschaftlichen Gruppierung rekrutiert sich das Ehrenamt im Sport aus den sportlich Aktiven und laut Freiwilligen Survey ist das ehrenamtliche Engagement im Sport von 2009 bis 2014 signifikant angestiegen, besonders bei den Frauen und in der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen. Nach einer weiteren Untersuchung, den Sportbund Rheinland betreffend, sind in 70,3 Prozent der Vereine alle Vorstandsämter besetzt, im Durchschnitt haben die Vereine sechs Prozent ihrer Vorstandsämter unbesetzt.

Ist das Problem als wirklich so groß, wie es oft artikuliert wird? Erliegen wir hier nicht einer verzerrten Wahrnehmung? Thieme appellierte nicht nur als Wissenschaftler, sondern auch als LSB-Präsident an das Plenum: „Es scheint genug Menschen mit Bereitschaft zu ehrenamtlichem Engagement zu geben. Sprechen Sie aktive Sporttreibende für eine konkrete Aufgabe an. Das muss nicht direkt ein Vorstandsposten sein.“

Interessantes Datenmaterial lieferte der Referent auch zur Rekrutierung und der Stellung von Übungsleitern im Verein. So werden laut Thieme jährlich mehr als 600 Übungsleiter auf erster Lizenzstufe in Rheinland-Pfalz ausgebildet, wobei deren Motivationslage im Vergleich zu den Vorständen eine andere ist. Übungsleiter seien insgesamt stärker motiviert als Vorstände. Ihr Engagement sei stärker intrinsisch als extrinsisch motiviert, woraus Thieme folgerte, eine höhere Vergütung wirke unter Umständen nur wenig, um den Übungsleiter zum Bleiben zu bewegen. „Der Ausstieg von Übungsleitern ist selten dem Verein anzulasten. Es sind vor allem berufliche Gründe“, sagte Thieme.

Welche Möglichkeiten gibt es nun, Menschen für das Ehrenamt im Sport zu bewegen? Wie kann ein offenbar schlummerndes Potential in unseren Vereinen geweckt werden? Das SBR-Forum zeigte dazu verschiedene Wege auf. Mithilfe der Methode „World-Café“ waren die Forumsteilnehmer eingeladen, Fragestellungen unter der Moderation von SBR-Referenten zu diskutieren.

Konkret ging es darum, die Mitarbeit im Verein effizienter und attraktiver zu gestalten und damit Wege zu finden, den organsierten Sport in eine gute Zukunft zu führen. Die Fragestellungen lauteten: Welchen Beitrag kann Digitalisierung dazu leisten? Welche Möglichkeiten digitaler Maßnahmen könnten dazu im Verein eingesetzt werden? Wie kann der Einsatz von FSJ´lern im Verein dazu beitragen? Welche Unterstützungsleistungen wünschen Sie sich zum Thema vom Landessportbund und vom Sportbund Rheinland? Welche Entlastungsmöglichkeiten für den Vorstand können zu diesem Punkt beitragen? Wie kann eine effektive und kreative Suche nach Übungsleitern im Verein aussehen?

Ergebnisse zur Diskussionsrunde

Präsentation des Vortrags