Infotag Seniorensport: Übungsleiter machen sich fit für die Herausforderungen der Digitalisierung

Die Digitalisierung und der demographische Wandel – beides Phänomene unserer Zeit, die sich in einem rasanten Tempo entwickeln. Was kann die Digitalisierung dazu beitragen, ein selbstbestimmtes Leben im Alter zu führen? Wie können digitale Hilfsmittel den Seniorensport bereichern? Fragen, die offenbar viele ältere Menschen in den Sportvereinen bewegen. Denn entsprechend groß war der Andrang zum 14. Infotag Seniorensport des Sportbundes Rheinland. Mehr als 160 Teilnehmer konnte SBR-Präsidentin Monika Sauer im Schul- und Sportzentrum Mülheim-Kärlich begrüßen.

Dr. Ronald Burger referierte über die digitalen Hilfsmittel im Sport.

Sauer freute sich, mit der Veranstaltung offenbar am „Puls der Zeit“ zu sein, um auch gleich zum Impulsvortrag von Dr. Ronald Burger überzuleiten. Der Sportwissenschaftler und Ernährungsberater gab einen Überblick über den schier unendlichen und immer noch wachsenden Markt an digitalen Hilfsmitteln, sowie deren Aussagekraft im Hinblick auf medizinische Parameter wie Pulsfrequenz, EKG, Blutdruck und Stoffwechsel. Was früher mit der Hand an der Halsschlagader gemessen wurde, liefern heute technische Geräte bei jedem Schritt, in jeder Runde oder gar rund um die Uhr.

Was denn auch schnell zu Fragen aus dem Plenum führte. „Ist weniger nicht oft mehr? Bleibt bei aller Technik nicht das Bauchgefühl des Übungsleiters und des Sportlers auf der Strecke? Fragen, die letztlich jeder für sich beantworten musste. Doch unstrittig blieb: Vor allem in der Trainingssteuerung und -auswertung geben Pulsuhren, Fitnesstracker und Co wertvolle Hinweise auf Belastung und Entlastung. Sie schärfen die Wahrnehmung des Trainers, bestätigen seine Einschätzung oder stellen sie in Frage.

Blieb die Erkenntnis nach einem äußerst lebhaften und lehrreichen Vortrag: Der Sport in den Sportvereinen darf sich der Digitalisierung nicht verschließen, sollte ihr offen begegnen – vom Kleinkinderturnen bis zum Sport mit Hochaltrigen, vom Gesundheits- und Breitensport bis zum Hochleistungssport.

Wie ein jung-dynamischer Seniorensport in Sportvereinen gestaltet werden kann, sollte der weitere Verlauf des Infotages in zwölf Workshops zeigen. Das Deutsche Sportabzeichen, Sturzprävention, der Einsatz von Musik in der Übungsstunde, Koordinationstraining, Yoga für Ältere und Fahrradfahren für Wiedereinsteiger waren unter anderem die Themen. Aber auch die gesellschaftliche Verantwortung der Sportvereine in einer alternden Gesellschaft sollte nicht zu kurz kommen. Sport mit demenziell erkrankten Senioren wurde ebenso vorgeführt wie der Einsatz von Rollatoren in den Übungsstunden.

Wie wertvoll die Arbeit des Übungsleiters im Seniorensport ist, zeigte am Ende Kabarettist Franz-Josef Euteneuer. Bei dem humoristischen Abschluss blieb kein Auge trocken: „Morbus digitalis“ – mit Herz, Hirn und Humor brach Euteneuer eine Lanze für das Menschliche des Übungsleiters – besonders im Zuge der Digitalisierung.

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