Wenn Bürokratie das Ehrenamt lähmt

Der Vorstand des Sportkreises Bernkastel-Wittlich mit Vertretern des Sportbundes Rheinland (v.l.): Kai Lukas (Sportkreisjugendwart), Günter Wagner (Sportkreisvorsitzender), Monika Sauer (SBR-Präsidentin), Walter Kirsten (stv. Sportkreisvorsitzender) und Martin Weinitschke (SBR-Geschäftsführer). Foto: W. Höfer

219 Sportvereine des Sportkreises Bernkastel-Wittlich mit insgesamt 38.456 Mitglieder haben weiterhin ein starkes Sprachrohr. Beim gut besuchten Sportkreistag in Bernkastel-Kues wurde Sportkreisvorsitzender Günter Wagner einstimmig wiedergewählt. Ebenso einmütig bestätigten die Vereinsvertreter Walter Kirsten als Stellvertreter.

In seinem Rechenschaftsbericht über die vergangenen vier Jahre präsentierte
Wagner einen sehr agilen Sportkreis. Ziel sei es, das Ehrenamt zur fördern sowie den Schul-, Breiten-, Wettkampf- und Freizeitsport gemeinsam mit den Trägern und Vereinen attraktiv zu halten. Dass dafür die Rahmenbedingungen in Bernkastel-Wittlich stimmen, hob Wagner besonders hervor. Die Sportinfrastruktur habe sich im Sportkreis kontinuierlich verbessert. Allein im großen Bauprogramm (Maßnahmen bis 75.000 Euro) seien in den vergangenen vier Jahren 23 Projekte mit einem Gesamtvolumen von 1,137 Millionen Euro verwirklicht worden. Nach Angaben von Wagner wurden dabei von den Vereinen 12.508 Arbeitsstunden geleistet. „Das zeigt mir, wie wichtig das Ehrenamt für eine funktionierende Gesellschaft ist“, bilanzierte der Sportkreisvorsitzende. Mit Hilfe des kleinen Bauprogramms (bis 10.500 Euro), so Wagner weiter, sei es darüber hinaus gelungen, 22 Maßnahmen zu unterstützen.

Die Präsidentin des Sportbundes Rheinland, Monika Sauer, hob hervor, dass der Sportkreis Bernkastel-Wittlich einen Organisationsgrad von fast 35 Prozent aufweise. Damit belege der Sportkreis den vierten Rang innerhalb des Sportbundes Rheinland. „Vierter ist ein Platz hinter Bronze mit noch Luft nach oben“, sieht Wagner dieses Ranking sportlich ambitioniert.

Monika Sauer lenkte in ihrer Ansprache den Blick auf die gewachsenen Anforderungen an den organisierten Sport und warnte davor, das Ehrenamt mit zusätzlicher Bürokratie zu überlasten. Als Beispiel nannte Sauer die vom Land eingeführte „Fehlbedarfsfinanzierung“ als Ausfluss des Landesrechnungshofberichtes. „Wir dürfen demnach nur Veranstaltungen fördern, wenn uns der Verein nachweisen kann, dass er ein Defizit macht und dass er keine Preisgelder auszahlt“, so Sauer. Die SBR-Präsidentin befürchtet, dass dies das „Aus“ so mancher überregionaler Sportveranstaltung im Land bedeuten könnte. In Gesprächen mit dem Innenministerium werde man sich vehement für eine Änderung der Sportförderrichtlinie einsetzen.

Die Chancen, etwas im Sinne der Vereine im Dialog mit dem Innenministerium zu bewegen, sieht Sauer auch infolge der Neuaufstellung des rheinland-pfälzischen Sportes als gut an. „Wir haben mit Lutz Thieme einen neuen LSB-Präsidenten, es gibt in Rheinhessen und der Pfalz neue Präsidenten, außerdem hat der LSB seine Geschäftsführung neu sortiert. Ich erwarte nun ein koordiniertes und zielführendes Vorgehen. Wir brauchen konkrete Ergebnisse für unsere und Ihre Arbeit“, sagte Sauer zu den Delegierten.