Wo Sport und Bewegung ganz groß geschrieben werden

Thierno Keita ist ein Fußball-Champion. Er ist Kreismeister mit der C-Jugend seines Heimatvereins TuS Frei-Laubersheim und vor kurzem stand er im Endspiel der Super League der Crucenia Realschule plus Bad Kreuznach. Hinter Thierno liegt ein Spielemarathon, über zehn Wochen mit 27 Mannschaften. An der Crucenia Realschule gehört der sportliche Wettbewerb zum Alltag.

Sport und Bewegung haben in der Crucenia Realschule einen besonderen Stellenwert. Zum Beispiel auch während des Englischunterrichtes, wenn die Konzentration der Schülerinnen und Schüler nachlässt. Fotos. W. Höfer

Nicht von ungefähr schmückt sich die Kreuznacher Bildungsstätte mit dem selbst gewählten Titel „Bewegte Schule“. Dahinter steckt ein Konzept, dessen geistiger Vater der didaktische Koordinator der Realschule, Kay Fürstenau, ist. Beispielgebend für die pädagogische Ausrichtung ist unter anderem das „Bewegte-Pausen-Konzept“. In drei Ligen spielen die Schülerinnen und Schüler in der Mittagspause nach einem ausgeklügelten Spielplan ihre Meister aus. Höhepunkt des sportlichen Schuljahres ist das Endspiel in der Super League. Doch für Fürstenau zählen dabei nicht nur Sieg und Niederlage. Denn die Schüler organisieren den Spielbetrieb selbst, durchlaufen Auswahlverfahren, übernehmen Verantwortung als Schiedsrichter und diskutieren ihr Verhalten, wenn gelbe und rote Karten gezückt werden.

„Sportliches Fair Play, Motivation, Teamgeist, Gemeinschaftserlebnisse und vor allem die gegenseitige Wertschätzung sind dabei die wichtigsten Bildungs- und Erziehungsaspekte“, sagt Fürstenau, der Sport- und Erdkunde unterrichtet und auch schon im rheinland-pfälzischen Sport als Referent und Betreuer unterwegs war.   

Die neue Sportklasse

Vom Soccer-Court auf dem Pausenhof geht´s in die Klasse fünf der Crucenia Realschule. Hier hat Sport einen besonderen Stellenwert. Denn die „Fünf“ ist die neue Sportklasse, in der neben dem Sportunterricht grundlegendes Wissen über die Bedeutung von Bewegung und Ernährung vermittelt wird (siehe auch Kasten).

„Sie kommen gerade richtig“, sagt Englischlehrerin Natascha Brown. „Die Kinder sind sehr unruhig, ihre Konzentration lässt nach.“  Brown heftet ein Blatt mit Gymnastik-Übungen an die Tafel. „Alle aufstehen und los geht´s.“ Die Schülerinnen und Schüler folgen den Anweisungen aufs Wort und haben dabei ihren Spaß. Sportliche Übungen während des Unterrichtes sind ein eingeübtes Ritual in allen Klassen der Crucenia Realschule plus  und die Pädagogen sind sich einig: Nach Sport und Bewegung sind die Schüler wieder konzentriert, auch ihre schulischen Leistungen werden besser.  

Schulleiterin Jutta Allebrand ist stolz darauf, dass ihr Sport- und Bewegungskonzept  bei Schülern und Eltern so gut ankommt, strebt aber noch ein höheres Ziel an: „Mittelfristig wollen wir Partnerschule des Sportes werden.“         

Kooperation mit Sportvereinen

Allebrand und Fürstenau wissen aber auch um die Grenzen ihrer „Bewegten Schule“.  „Die Nachfrage bei den Eltern und Schülern ist zwar riesig, aber unsere Hallenkapazitäten sind begrenzt“, sagt die Rektorin. Umso wichtiger sei es, eng mit den umliegenden Sportvereinen zusammenzuarbeiten. „Damit Sport und Bewegung auch über die Schule hinaus  zum Lebensalltag wird“, ergänzt Kay Fürstenau.

Der didaktische Koordinator kann die Einschätzung und Erfahrungen nicht bestätigen, dass die Ganztagsschule dem Vereinssport schade. „Bei uns ist das Gegenteil der Fall“, sagt Fürstenau und spricht von einer „Win-Win-Situation“. Mit  dem TSV Degenia Bad Kreuznach sowie mit VfL und MTV Bad-Kreuznach bestünden bereits Kooperationen. Vor diesem Hintergrund arbeiten neben elf Sportlehrern auch sechs Übungsleiter aus Sportvereinen an der Schule. Unterstützt werden deiese Kooperationen auch durch das LSB-Programm  „Integration durch Sport“.

Über diese Zusammenarbeit wurden schon Talente entdeckt und viele Schüler kamen so zum Vereinssport“, sagt Fürstenau. So wie Thierno Keita, der vor vier Jahren mit seiner Familie aus Guinea nach Deutschland auswanderte und heute  in der B-Jugend des TuS Frei-Laubersheim spielt. „Hier habe ich meine neuen Freunde gefunden“, sagt Thierno.

Wolfgang Höfer