„Wettkampfsport versus Gesundheitssport“ - Ein Paar mit großen Schnittmengen

Sie betreiben Sport und wollen damit etwas für Ihre Gesundheit tun? Klar doch! Fast jeder, der dem Sport aktiv zugeneigt ist, wird diese Frage mit „Ja“ beantworten. Aber ist auch jeder Sport gesund? Und welche körperliche Betätigung darf sich Gesundheitssport nennen? Mit welchen Angeboten sollen sich Sportvereine auf dem schier unüberschaubaren Markt platzieren? Sollten sie sich nicht lieber auf ihr Kerngeschäft - den Wettkampfsport - konzentrieren?

Gesundheitssport und Wettkampfsport unter einem Dach: Dr. Daniel Illmer von der DOSB-Führungsakademie beleuchtete gemeinsam mit Vereinsmanagern und Vorständen eine komplexe Materie. Fotos: W. Höfer

Fragen über Fragen, die die Teilnehmer des SBR Vereinsmanager-Forums mit dem Titel „Wettkampfsport versus Gesundheitssport“ beschäftigten. Schnell wurde klar: Patentlösungen für einen Masterplan in die Zukunft gibt es für die Sportvereine nicht.

Der Referent des Abends, Dr. Daniel Illmer, von der DOSB-Führungsakademie, versuchte zunächst eine gemeinsame Gesprächsgrundlage zu schaffen, indem er zwei vermeintliche Konkurrenten in der Sportlandschaft unter die Lupe nahm. Er definierte Wettkampfsport kurz gefasst als „systematischer und geregelter Leistungsvergleich mindestens zweier Sportler/innen“ und Gesundheitssport als „sportliche Betätigung mit dem Ziel der Gesundheitsförderung“. Knappe Definitionen, die viel Spielraum für Diskussionen ließen mit einem Ergebnis, das Illmer in folgende Thesen fasste: „Wettkampfsport und Gesundheitssport unterscheiden sich und haben gleichzeitig große Schnittmengen. Es ist kein Gegensatz“ und „Beide Felder sind durch eine starke Ausdifferenzierung geprägt.“

Engagement lässt nach

Aufhorchen ließ der Referent, als er Studien zur Wertigkeit von Gesundheitssport in den Vereinen präsentierte. Danach ist der Anteil der Vereine mit Sportangeboten im Gesundheitsbereich im Zeitraum 2013 bis 2015 von 33 Prozent auf 26 Prozent rückläufig. Dies korrespondiert mit dem Ergebnis einer Befragung der Vereine im jüngsten Sportentwicklungsbericht. Danach ist das Engagement im Gesundheitssport merklich um 11,4 Prozentpunkte zurückgegangen. Die Frage, die sich zwangläufig stellte: Überlassen die Sportvereine mehr und mehr den wachsenden Gesundheitsmarkt den kommerziellen Anbietern? Besinnen sie sich wieder mehr auf ihr Kerngeschäft, den Wettkampfsport? Mögliche Strömungen, die nach Aussagen von lllmer noch nicht hinlänglich untersucht sind.

Einige Verbände haben die Frage einer klaren strategischen Ausrichtung für sich entschieden. So kann die Deutsche Triathlon-Union mit einem ausgeprägten Leistungs- und Wettkampfsport seit 1995 ein jährliches Wachstum um circa 5 bis 8 Prozent verbuchen. Die Gründe für den Erfolg laut Illmer: „Zeitgeist! Ausgeprägter Individualismus, Hype des Extremen.“ Anders der Deutsche Karate-Verband, der mit seinem Schwerpunkt auf den Gesundheitssport besonders die Best-Ages für sich gewinnen kann. Die führte in den Jahren 2011 bis 2013 zu einer Mitglieder-Explosion von 105.000 auf 184.000

Zum Schluss gab Illmer den Vereinsmanagern und Vorständen einige Ratschläge mit auf den Weg: „Lassen Sie sich Zeit für Strategie und Planung. Entwickeln Sie Sinn, Werte und Vision, statt schnell in Maßnahmen und Projekte zu gehen. Investieren Sie in Übungsleiter und in eine qualitativ hochwertige Sportinfrastruktur. Überwinden Sie interne Grenzen und Barrieren!“

Die Ergebnisse aus den Gruppenarbeiten können Sie hier sehen, wenn Sie die Bilder anklicken. Außerdem haben wir Ihnen hier die Präsentation von Dr. Illmer verlinkt.

   

 

Über Freuden und Schmerzen mit dem Gesundheitssport

Welche Rolle spielt der Gesundheitssport in der Angebotskonzeption der Vereine? Die Mitarbeiterinnen der SBR Management-Akademie wollten es genauer wissen und luden unter speziellen Fragestellungen zum Gedankenaustausch ein.

Den Rückgang der Angebote im Gesundheitssport und das offensichtlich nachlassende Engagement der Vereine sieht der Geschäftsführer des TV Oberstein, Bernd Pohl, unter anderem in dem großen Bürokratieaufwand bei der Beantragung von Zuschüssen begründet. Diese Beobachtungen macht Pohl übrigens auch bei anderen Vereinen in seiner Funktion als Sportkreisvorsitzender des Sportkreises Birkenfeld.

Die Vorsitzende des TV Miesenheim, Liane Geisen, rechnet ihre Kursangebote im klassischen Gesundheitssport nicht mehr über die Krankenkasse ab. „Bei Gesundheitssportangeboten erheben wir für Mitglieder zusätzlich einen Spartenbeitrag“, sagt Geisen. Eine mutige und offenbar richtige Entscheidung. „Damit haben wir viele Mitglieder gewinnen können.“ Von den Verbänden fordert die TV-Vorsitzende, trotz aller Ausdifferenzierung das Kerngeschäft nicht aus den Augen zu verlieren.

Lutz Itschert, Vorsitzender des Ruderverbandes Rheinland und Vorsitzender des Koblenzer Ruderclubs Rhenania, sieht Gesundheitsportangebote beim Rudersport als Marketinginstrument, um neue Mitglieder zu gewinnen. Das SBR-Forum habe ihm dazu wertvolle Anregungen gegeben. „Wir werden die strategische Ausrichtung in unseren Gremien besprechen“, sagt Itschert.

Eine klassischer Freizeit- und Gesundheitssportverein sei der TV Nievern, sagt dessen Geschäftsführerin Monika Welz. „Von unseren 430 Mitliedern sind 80 Prozent weiblich, darunter viele Kinder und Jugendliche“, sagt Welz, die auch über eine gute Zusammenarbeit mit Vereinen aus der Nachbarschaft berichtet, die mehr Wettkampfsport orientiert sind. „Wir stehen in gutem Kontakt. Talente geben wir an spezialisierte Vereine ab.“