|
Sie befinden sich hier: Aktuell / Telegramm / Lotto-Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Barbaro im Interview |
|
16.01.2012
„2012
wird ein wichtiges Jahr“ Lotto-Aufsichtsratsvorsitzender
Dr. Salvatore Barbaro im Interview
Wird
das Jahr 2012 mit einem neuen Glücksspielstaatsvertrag eines der
entscheidenden in der Geschichte von Lotto Rheinland-Pfalz? Dr.
Barbaro: Es ist sicher eines der wichtigen Jahre. So wie das Jahr der Gründung
1949, das Jahr der Einführung von Lotto im Jahre 1956 oder der Wandel bei
den Sportwetten mit der Schaffung von ODDSET 1999. Der neue Glücksspielstaatsvertrag,
der am 15. Dezember des vergangenen Jahres von 15 Ministerpräsidenten
unterzeichnet wurde, ist natürlich eine Zäsur. Er manifestiert das Monopol
für die Lottogesellschaften bei Lotto und allen Produkten außer den
Sportwetten. Monopol heißt aber auch, dass weiter gelten wird, dass die
Verhinderung von Spielsucht und die Sicherung von Jugendschutz unverrückbare
Voraussetzungen für dieses Monopol sind. Das verlangt auf der einen Seite
viel von den Lottogesellschaften und es kann auch bedeuten, dass sie aus der
Sicht von Mitbewerbern, die gerne ins Geschäft möchten, weiter angreifbar
sind. Spannend
wird es auf alle Fälle und es wird erneut ein Jahr, wo vieles davon abhängt,
was die Annahmestellen vermögen. In diesem Punkt bin ich sehr optimistisch. Die
Welt der Sportwetten wird sich verändern. Nimmt der Staat schmerzhaft
Abschied von einer über Jahrzehnte gelebten Welt des Monopols? Dr.
Barbaro: Das ist eine politische Entscheidung, wie wir sie für richtig
gehalten haben. Die Öffnung des Marktes mit der Vergabe von 20 Konzessionen
an staatliche und private Anbieter ist die Alternative zum bisherigen
Monopol. Es bestand ja nur auf dem Papier, denn was nutzt Lotto ein Monopol
für ODDSET, wenn in Wirklichkeit der Markt fast vollständig von illegalen
Anbietern beherrscht wurde. Alle diese Illegalen können jetzt legal werden
und dann entsteht ein Wettbewerb unter gleichen Bedingungen. Was wir jetzt
im Glücksspiel erleben, das haben Bahn, Post und Telekommunikation hinter
sich. Monopole hatten oder haben bedingt immer einen Wert, aber sie sind
nicht für die Ewigkeit. Es ist für ODDSET besser, in einem Wettbewerb mit
den gleichen Chancen zu sein als mit einem Monopol leben zu müssen, das von
den privaten täglich missachtet wird. Es
gibt vieles bei den staatlichen Glücksspielanbietern, was sie von privaten
unter-scheidet. Wie wichtig ist der Gemeinwohlgedanke in einer Welt des
Kommerzes? Dr.
Barbaro: Wer im Markt ist, der will Geschäfte machen. Davon leben in
unserer Welt des Glücksspiels viele. Allen voran die Annahmestellen, die
Bezirke, die Zulieferer, die Menschen bei Lotto selbst, die Gewinner und
auch das Land, an das ein Teil der Einnahmen geht, damit hieraus Dinge möglich
werden können, die sonst sehr schwer fallen würden. Sport und Kultur,
Wohlfahrt, Denkmalpflege und Naturschutz zu unterstützen ist in unserem
Lande auch deshalb besonders erfolgreich möglich, weil es Lotto gibt. Das
muss immer wieder ins Stammbuch derer geschrieben werden, die sich
unkritisch für Liberalisierung einsetzen. Allein in
den letzten 15 Jahren sind mehr als 2 Milliarden EURO von Lotto in die
Landeskasse geflossen und so ist die Unterstützung dieser Themenfelder möglich
geworden. Und mehr als 2,5 Milliarden EURO haben Gewinner einstreichen können.
Der Gemeinwohlgedanke passt auch in die Welt des Kommerzes. Wir
wollen genauso erfolgreich sein wie die künftigen Mitbewerber, aber in der
Verwendung der Gelder wollen wir uns eben unterscheiden. Wir streichen
nichts ein für den persönlichen Nutzen, sondern wir wollen weiter den
Menschen, den Vereinen und Verbänden im Lande helfen. Ist
die GlücksSpirale ein wichtiges Element sozial orientierten Wirkens der
staatlichen Anbieter? Dr.
Barbaro: Die GlücksSpirale ist die Lotterie, die buchstäblich Gutes tut.
Aus ihren Einnahmen wandern Zweckerträge direkt an fünf Destinatäre. Seit
1970 konnten so in Rheinland-Pfalz rund 108 Millionen EURO an gute Zwecke überwiesen
werden. Im Einzelnen waren dies: je rund 31 Millionen EURO für die Sport-
und Wohlfahrtsverbände, rund 22 Millionen EURO für die Stiftung
Denkmalschutz, knapp 10 Millionen EURO für die Stiftung Natur und Umwelt
und rund vier Millionen für den Landesmusikrat. Das sind imponierende
Zahlen und Beiträge, mit denen wir in tausenden von Einzelfällen helfen
konnten. Wir haben es nicht marktschreierisch getan, sondern wirkungsvoll. Wenn
Sie über 2012 heute schon hinausblicken, was kann oder wird sich weiter ändern
im Glücksspiel? Dr.
Barbaro: Wir werden Wettbewerb haben bei den Sportwetten. Das wird hart, das
wird fordern. Wie im Sport sollen die Besten gewinnen. Aber es muss eben ein
fairer Wettbewerb werden. Darauf müssen die Länder achten. Wie sich
dieser Wettbewerb weiter entwickeln wird, ob er auch die anderen Produkte
erfassen wird, ich weiß es nicht. Wir müssen
ein starkes Unternehmen bleiben, das sich auf seine Kunden verlassen kann.
Wir werden mit Eurojackpot ein völlig neues, europaweit orientiertes
Produkt starten. Und wir werden wieder im Internet zu finden sein. Das kann
ich heute sagen, mehr noch nicht.
|