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22.09.2011


Info-Tag Seniorensport 2011: Die Ressourcen der Älteren sinnvoll nutzen

Zählen Sie  zu der Kategorie  „Fortsetzer“, „unbeteiligter Zuschauer“  oder „Rückzieher“?  Oder werden Sie im fortgeschrittenen Alter zu einem „Abenteurer“, „Sucher“ oder gar zu einem „Genießer“?  Die sechs Ruhestandspfade, die Professor Dr. Ansgar Thiel (Uni Tübingen) beim 8. Info-Tag Seniorensport des Sportbundes Rheinland aufzeigte, ließen so manchen der fast 300 Zuhörer aufhorchen. Wo führt mein Weg hin, wenn die Kinder aus dem Hause sind, wenn nicht mehr um sechs Uhr in der Früh der Wecker klingelt und die Stechuhr auf der Arbeit schon lange aus meinem Gedächtnis verbannt ist?

„Von wegen altes Eisen – Erfahrung hat Zukunft“ – so lautete der optimistisch stimmende Titel des Info-Tages. Der Sportbund Rheinland hatte wieder einmal namhafte Experten eingeladen, die jeweils aus ihrer Sicht die Folgen einer immer älter werdenden Gesellschaft unter die Lupe nahmen. Nach Überzeugung von  Thiel werden die Auswirkungen des demographischen Wandels für unsere Gesellschaft überwiegend mit einem negativen Touch diskutiert. „Die Alten werden als Ballast, als eine Gefährdung für unser Gesundheitssystem angesehen. Sie werden allgemein als Ursache für höhere Kosten in unserem Staatswesen ausgemacht – und dies oft von Personen, die diesem Kreis angehören.“ Dies ist nach Überzeugung des Sportwissenschaftlers eine kurzsichtige Betrachtung, denn: „Bei einer gesunden und bewegungsbetonten Lebensweise erhöht sich nicht die Spanne der pflegebedürftigen Jahre, sondern die Spanne der gesunden Jahre.“ Aufgabe der Gesellschaft müsse es sein, die Ressourcen älterer Menschen zu nutzen. „Sie besitzen soziale, psychische und körperliche Kompetenzen. Nicht zuletzt geht von ihnen eine Spiritualität aus“, sagte Thiel.

Dies unterstrich auch Dr. Ronald Burger (Uni Mainz) in seinem Referat „Wer sich bewegt bleibt fit – wie viel Sport ist gesund?“ Nach Angaben von Burger treiben unter den heute 60-Jährigen maximal nur fünf Prozent regelmäßig Sport. Untersuchungen zeigten, dass jedes Jahr ohne Sport vor der Ruhestandsphase verschenkte Jahre seien. Untrainierte Menschen werden in der Regel nur wenige Jahre nach Renteneintritt gebrechlich. Beginne man im Alter zwischen 40 und 50 Jahren mit moderatem regelmäßigem Training (zwei bis drei Mal die Woche) habe man statistisch gesehen gute Chancen älter als  85 zu werden.

Bei der Gesundherhaltung älterer Menschen komme dem Sportverein wie keiner anderen Institution eine überragende Bedeutung zu. Hier gelte es jedoch, noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. So zeigten Untersuchungen, dass nur 18,6 Prozent der Sporttreibenden der Generation  50plus im Verein trainieren.

Dennoch: Der Seniorensport ist angesichts des demographischen Wandels das Wachstumssegment für Sportvereine. So hatte denn auch die Vizepräsidentin des Sportbundes Rheinland, Monika Sauer, Erfreuliches zu berichten. „Bei den über 60-Jährigen haben wir innerhalb eines Jahres einen Zuwachs von 3400 Mitgliedern.“ Sauer appellierte an alle SBR-Vereine, ihre Seniorensportangebote in Quantität und Qualität auszubauen.


Renate Krell brachte das Publikum in Bewegung.


Mit Humor älter werden - das Seniorentheater-Ensemble "Die Antiquitäten" zeigte wie es geht.
Welche Bedeutung der Sport auch bei der Therapie schwerer Krankheiten haben kann unterstrich Professor. Dr. Johannes Wöhrle, Chefarzt der Neurologie im Katholischen Klinikum Koblenz. Wöhrle referierte sehr einfühlsam über die Entstehung der Parkinsonkrankheit und attestierte dem Sport eine unterstützende Funktion sowohl in der Behandlung  als auch in der Prophylaxe. „Es gibt heute sehr viele Hinweise darauf, dass freiwillige regelmäßige Bewegung der Entstehung von Parkinson und Alzheimer vorbeugen kann“, sagte Wöhrle.

 

Auch die Lachmuskeln werden trainiert


Das Rahmenprogramm beim 8. Infotag Seniorensport des Sportbundes Rheinland hatte es in sich. Nicht nur die grauen Hirnzellen wurden beansprucht, sondern sämtliche Muskelgruppen bis hin zu den Lachmuskeln. Dafür sorgte vor allem die Landesfachwartin für das „Turnen der Älteren“ im Turnverband Mittelrhein, Renate Krell. Ihrem Temperament und Charme konnte sich keiner entziehen – egal ob sie mit ihrer Tanzgruppe oder als Animateurin zwischen den einzelnen Vorträgen und den vielen Gewinnspielen auftrat.

Den Schlussakkord setzten die  „Antiquitäten“. Das Seniorentheater-Ensemble der Volkshochschule Koblenz zeigte, wie man die unliebsamen Nebenwirkungen des Älterwerdens wirksam mildern kann – einfach mit Humor.

 

Die Fotos zum 8. Info-Tag Seniorensport finden Sie in unserer Foto-Galerie

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