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23.09.2009


Mit Sport gegen Demenz ankämpfen
Sportbund Rheinland präsentierte bei Tagung neueste wissenschaftliche Erkenntnisse


Die demographische Entwicklung stellt die Sportvereine vor bisher noch nicht gekannte Herauforderungen. Die Gesellschaft altert, und damit wird auch die Zahl der an Demenz erkrankten Menschen zunehmen. Der organisierte Sport will sich diesem Problemfeld nicht verschließen. Im Gegenteil: Wissenschaftliche Studien zeigen, wie durch Sport die Mobilität demenzerkrankter Menschen gesteigert und der kognitive Status zumindest stabil gehalten werden kann. Der Infotag des Sportbundes Rheinland unter dem Titel „Im Fokus Demenz“ brachte den rund 300 Teilnehmern erstaunliche Erkenntnisse.


Eine anschauliche Demonstration: Schon einfache Übungen wirken sich auf Konzentration und Koordination aus.

Nach Angaben von Frank Nieder (Deutsche Sporthochschule Köln) sind in der Altersgruppe der 80 bis 84-Jährigen bereits 13,3 Prozent und in der Altersgruppe der 85 bis 89-Jährigen 23 Prozent an einer Demenz erkrankt. Von den Über- 90-Jährigen sind es weit mehr als ein Drittel. Nieder, der an der Sporthochschule Köln das Projekt „fit für 100“ betreut, stellte anschaulich die Effekte körperlich-sportlicher Aktivität im Alter dar. So kann bei regelmäßigem Training das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung um bis zu 25 Prozent und das Infarktrisiko um circa 20 Prozent gesenkt werden. Auch das Gehirn „profitiert“ durch das regelmäßige körperliche Training. „Sportlich aktive Personen erkranken nachweislich seltener an der Alzheimer Demenz als inaktive Personen“, sagt Nieder.

Neuste Studien belegten sogar, dass durch körperliches Training die kognitiven Leistungen beim demenzerkrankten Menschen verbessert werden könne. „Wird das sportliche Training allerdings unterbrochen oder beendet, gehen die positiven Effekte schnell verloren“, sagt der Sportwissenschaftler. Nieder plädiert ausdrücklich dafür, dass Menschen „im dritten und vierten Alter“ regelmäßig Sport treiben. Bereits in der ersten Phase des Projektes „fit für 100“ hätte bei allen Probanten ein Kraftzuwachs erzielt werden können. „Wohlbefinden, Stolz und Freude wurden erlebt und gezeigt“, berichtet Nieder.

So plädiert auch Polizeipfarrer und Sozialpädagoge Dr. Herbert-Fischer Drumm für eine neue „innere Haltung“ gegenüber demenzerkrankten Menschen. Diese müsse durch „Wertschätzung, bedingungslose Akzeptanz, Respekt und Würde vor dem Anderssein“ gekennzeichnet sein. Komplettiert wurde die Tagung durch Informationen über den Zusammenhang von Bewegung im Alter auf das Denk- und Konzentrationsvermögen sowie über die richtige Ernährung älterer Menschen. Unter der Moderation von SBR-Präsidiumsmitglied Monika Sauer entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, wie sich Sportvereine dieses sehr sensiblen Themas annehmen können. SBR-Präsident Fred Pretz hob die Bedeutung des Seniorensports für die Zukunftsfähigkeit der Sportvereine hervor. Demenzerkrankte Menschen dürften nicht ausgegrenzt werden. Hier müsse sich der organisierte Sport seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sein.

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