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20.09.2010


Im Seniorensport liegt die Zukunft
SBR-Infotag: Ursula Lehr referierte - SBR Projekt „Ü 70 - Fitness kennt kein Alter“

„Jeder spricht über den demografischen Wandel, doch die wenigsten haben begriffen, dass wir uns bereits mittendrin befinden.“ Die ehemalige Bundesgesundheitsministerin Professor Dr. Dr. Ursula schreibt dies nicht nur Politikern und Behörden ins Stammbuch. Beim 7. Infotag Seniorensport des Sportbundes Rheinland mahnte sie auch eindringlich ein Umdenken in unseren Sportvereinen an. „Nicht das Alter macht krank. Viele Krankheitsbilder im Alter sind eindeutig auf zu weinig Bewegung zurückzuführen. Darauf müssen die Sportvereine reagieren und entsprechende Angebote für Ältere schaffen. Denn die Zukunft des Sportvereine beruht auf der Attraktivität ihres Seniorensportes“, sagte Lehr vor rund 300 Zuhörern in Koblenz.

 


Nach der Mittagspause: Beim SBR Infotag Seniorensport gehört Bewegung zum Programm

 

Lehr belegte diese Aussage mit eindrucksvollen Zahlen. Waren im Jahr 2000 noch 23,2 Prozent der Deutschen über 60 Jahre, so wird der Anteil dieser Bevölkerungsgruppe bis 2025 auf 33,2 Prozent und bis 2050 auf 38,1 Prozent steigen. Der Anteil der über 80-Jährigen steigt im gleichen Zeitraum von 3,6 Prozent (2000) auf 7,4 Prozent (2025) und 13,2 Prozent (2050). Im Jahr 2040 kommen nach Aussage von Lehr auf einen 75-Jährigen rund sechs Personen jüngeren Alters. 1950 betrug dieses Verhältnis noch eins zu 25.

Vor dem Hintergrund dieses Szenarios forderte Lehr eine „präventive Umweltgestaltung“ „Straßenübergänge, Ampelphasen, Sitzbänke, Bus- und Bahneinsteige sind oft nicht altersgerecht.“ Auch der Sport müsse bei der Planung und Umgestaltung von Sportstätten umdenken und sich in die Pflicht nehmen lassen.“ Generell forderte die Referentin „eine Umwelt zu schaffen, die anregt und zu Aktivitäten motiviert“. Denn Bewegungsarmut verursache laut Schätzung der Weltgesundheitsorganisation jährlich 1,9 Millionen Tote. Bei 10 bis 16 Prozent aller Brustkrebs und Enddarmkrebs-Erkrankungen sowie bei Diabetes sei Bewegungsarmut die Ursache. Die Sportvereine seien vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft mehr denn gefordert, damit unsere Sozialsysteme nicht kollabieren. Ziel unserer Gesellschaft müsse es sein „dass die Alten möglichst lange gesund und fit bleiben“.

Dass auch alte Menschen ihre Fitness mit einem regelmäßigen Training steigern können, hat eine Untersuchung der Deutschen Sporthochschule (DSHS) Köln im Auftrag des Sportbundes Rheinland gezeigt. Frank Nieder (DSHS) stellte die Ergebnisse beim Infotag Seniorensport vor. Im Verlaufe des Projektes „Ü 70 - Fitness kennt kein Alter“ wurden Seniorinnen und Senioren über zwölf Wochen mit standardisierten Übungsaufgaben über zwölf Wochen besonders in den Bereichen Kraft und Koordination trainiert. Und die Ergebnisse sind eindeutig: Bei einem zweimaligen Training pro Woche konnten in allen Belangen die Leistungen signifikant gesteigert werden. Viel mehr noch: Die Probanden berichteten von einem gesteigerten Wohlbefinden, einem neuen Selbstwertgefühl und Freude an der sportlichen Betätigung in der Gruppe. Nach Aussage von SBR-Vizepräsidentin Monika Sauer sollen diese Trainingprogramme in möglichst vielen Vereinen des Sportbundes Rheinland durchgeführt werden.

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