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24.10.2008 Sport ist Mitstreiter im Kampf gegen Drogen Podiumsdiskussion des rheinland-pfälzischen Innenministeriums zum Alkoholmissbrauch von Kindern und Jugendlichen Die
Zahlen sind alarmierend: 2006 mussten 19.500 Kinder und Jugendliche
bundesweit infolge übermäßigen Alkholkonsums stationär behandelt werden.
Dies bedeutet eine Steigerung gegenüber dem Jahr 2000 (9.500 Fälle) von
weit mehr als 100 Prozent. Und bei immer mehr Straftaten Heranwachsender ist
Alkohol im Spiel. Eine Trendwende ist auch 2008 nicht erkennbar. Im
Gegenteil. Das „Trinken“ bei Kindern und Jugendlichen hat eine andere
Dimension angenommen: „Flat-rate-Saufen“ und „Koma-Saufen“ sind
Erscheinungen, die sich nicht nur in Ausgaben unseres Gesundheitssystems
niederschlagen, sondern auch der Polizei und der Landesregierung immer mehr
Sorge bereiten.
Bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der „Vorbild sein - Gegen Alkoholmissbruch“ des Innenministeriums wurden nach möglichen Ursachen für diese Entwicklungen gesucht und Wege aufgezeigt, wie diesem drängenden gesellschaftlichen Problem zu begegnen ist. Als Vertreter des rheinland-pfälzischen Sportes sagte LSB-Vizepräsident und SBR-Präsident Fred Pretz, dass das Problem des Alkoholkonsums von Kindern und Jugendlichen wahrlich nicht vor den Toren des Sportvereins halt mache. Der Sportverein biete aber für gefährdete Heranwachsende ein soziales Gefüge und übe eine gewisse soziale Kontrolle aus. „Es genügt heutzutage nicht mehr darauf zu warten, dass Kinder irgendwann dem Sportverein beitreten. Wir müssen offensiv auf die Familien zugehen, neue Konzepte entwickeln, damit die Familien die positiven Wirkungen des Sporttreibens auf die Entwicklung junger Menschen erkennen“, sagte Pretz. Dabei führte der SBR-Präsident auch selbstkritisch „negative Vorbilder“ in den Sportvereinen an. Es geht nicht an, dass Übungsleiter nach oder während dem Sport Bier trinken. In entsprechenden Fortbildungen des Sportbundes und der Sportjugend werde daher in verstärktem Maße die „Vorbildfunktion“ von Trainern und Übungsleitern thematisiert. Der Sport biete allen relevanten gesellschaftlichen Gruppen seine Mithilfe an, das Problem des Drogenkonsums bei Kindern und Jugendlichen in den Griff zu bekommen. Ein „vernetztes Vorgehen“ forderten auch der Drogenbeauftragte der Landesregierung, Ingo Benneberger, Polizeidirektor Christoph Semmelrogge (Polizeipräsidium Koblenz) Wolfgang Redwanz (SGD Nord, Schulabteilung), Gebhard Weber (Staatsanwaltschaft Koblenz) und Manfred Favwer (Barmer Ersatzkasse). Dabei sei nicht der „erhobene Zeigefinger“ das probate Mittel, sondern spezifische Konzepte, mit denen man die Kinder und Jugendlichen in ihrer jeweiligen Lebenswelt auf dem Wege zum Erwachsenwerden begleitet und unterstützt. Der Leiter der Klinik am Waldsee Rieden, Professor Dr. Frank Löhrer, brachte dies am Ende der zweistündigen Diskussion auf den Punkt: „Wir müssen es wieder lernen, mit unseren Kindern über Werte zu diskutieren, die es wert sind, sich nicht zu berauschen.“ Teilnehmer der Runde waren auch Jessica (26) und Olaf (47), beide Alkoholiker. In beeindruckenden Worten berichteten sie über ihre „Drogenkarriere“, deren mögliche Ursachen und ihren bisher erfolgreichen Weg aus der Abhängigkeit. |