10.11.2008
Wo
sich ältere Menschen in ihrem Sportverein wohl fühlen
Der
Sportbund Rheinland verleiht erstmals das Zertifikat
„Seniorenfreundlicher Sportverein“ – Vereine können sich bewerben
Edeltrud
Petry aus Bad Salzig kennt weder Rast noch Ruhe. Obwohl es einen manchmal
„zwickt“, wie sie sagt, fühlt sich die bald 70-Jährige topfit.
Es ist nicht nur die Arbeit in ihrem großen Garten, die sie in einer körperlich
guten Verfassung hält. Sie schwimmt ein Mal wöchentlich und macht zwei bis
drei Mal Nordic Walking. Donnertags hat sie für sich persönlich
trainingsfrei. Dann geht´s in die Sporthalle. Beim TV Bad Salzig leitet sie
als ausgebildete Seniorenberaterin die Gruppe „aktiv(er) leben, Männer
und Frauen (70 plus)“.
Zweilfellos
ist der Verein von Edeltrud Petry, dem sie seit mittlerweile 30 Jahren angehört,
ein Vorzeigeverein in Sachen „Seniorensport“. Er erfüllt alle
Voraussetzungen für die Verleihung des Zertifikates
„Seniorenfreundlicher Sportverein“, das der Sportbund Rheinland in
diesem Jahr erstmals verleiht. „Wir haben uns diese Aktion entschieden,
weil wir unseren Sportvereinen des Bedeutung des Seniorensportes ins
Bewusstsein rufen wollen“, sagt Monika Sauer, SBR-Präsidiumsmitglied,
verantwortlich für Breiten-, Freizeit- und Gesundheitssport. Sauer ist
davon überzeugt, dass viele Sportvereine aufgrund des demographischen
Wandels nur dann überlebensfähig bleiben, wenn sie sich den Bedürfnissen
älterer Menschen sowohl im sportlichen als auch im sozialen Bereich verstärkt
annehmen. „Die Bewerbungsunterlagen für die Verleihung des Zertifikates
sind für Vereine eine Art Checkliste, mit der sie ihr Engagement im Bereich
Seniorensport überprüfen können“, erläutert Sauer. „Wenn sie alle
Bedingungen erfüllen, können sie der Auszeichnung ‚Seniorenfreundlicher Sportverein‘ hervorragend Werbung in
eigener Sache machen - und dies über ihre Ortsgrenzen hinaus.“
Besonderer
Wert wird darauf gelegt, dass sich die Angebote nicht nur auf den
sportlichen Bereich beschränken. Während die Sportvereinsmitglieder
mittleren Alters verstärkt nach Fitness-Angeboten suchen, ist bei älteren
Menschen vor allem auch der Wunsch nach geselligen Kontakten in Verbindung
mit Bewegung stark ausgeprägt“, weiß Sauer aus eigener Erfahrung. Denn
sie selbst leitet mit der Coblenzer Turngesellschaft einen Großverein, in
dem alle Altersgruppen eine sportliche und soziale Heimat finden. Überhaupt:
Der Begriff Senior oder Seniorin in Bezug auf sportliche Leistungsfähigkeit
sei heute nur schwer in seiner ganzen Vielfalt zu erfassen. 60-Jährige fühlen
sich heutzutage nicht mehr als alt. 70-Jährige laufen jährlich noch einen
Marathon oder besteigen einen Fünftausender.
Das hätte vor 20 Jahren noch für Schlagzeilen gesorgt. Heute gehört das
zur Normalität“, sagt Sauer. Das Bild vom Älter werden sowie das Körperbewusstsein
älterer Menschen habe sich gewandelt – und darauf müssten die
Sportvereine reagieren.
Der
verstärkte Wunsch besonders alter Menschen nach Geselligkeit und
menschlicher Nähe kann auch Edeltrud Petry nur bestätigen: „Viele meiner
ehemaligen Gruppenmitglieder sind gebrechlich, allein stehend und können
keinen Sport mehr betreiben. Auch diese kommen noch zu unseren Übungsstunden,
um anschließend mit uns reden zu können. Mir ist es
ein Herzensanliegen, dass diese Menschen nicht vereinsamen.“
Zertifikat
„Seniorenfreundlicher Sportverein“
- Ein Gütesiegel mit Werbeeffekt
Die
Auszeichnung „Seniorenfreundlicher
Sportverein“ ist ein Gütesiegel, mit dem der Verein werben kann. Die
Auszeichnung gilt für die Dauer von drei Jahren. Sie kann danach wieder neu
beantragt werden. Die Kriterien für die
Verleihung sind:
- Der
Verein hat mindestens fünf Angebote - sportliche und gesellige Angebote
- für Senioren. Das können zum Beispiel sein: Seniorengymnastik,
Wandern, Boule, Kaffeenachmittage, Theater- oder Mundartgruppen,
Kooperationen mit anderen Vereinen/Institutionen.
- Der
Verein hat mindestens einen ausgebildeten Seniorenberater, der auch eine
Gruppe leitet und Angebote für Senioren macht. Hierzu zählt der
Nachweis einer schriftlichen Vereinbarung mit dem Seniorenberater/der
Seniorenberaterin.
- der
Verein hat mindestens eine(n) Übungsleiter(in) Breitensport,
Schwerpunkt Seniorensport oder mit der zweiten Lizenzstufe
„Seniorensport“.
- Im
Rahmen eines begleitenden Qualitätsmanagements und eines
kontinuierlichen Verbesserungsprozesses verpflichtet sich der Verein dafür
Sorge zu tragen, dass die eingesetzten
Seniorenberater/Seniorenberaterinnen und Übungsleiter/Übungsleiterinnen
an Fortbildungen und Informationstagen des Sportbundes Rheinland
teilnehmen.
Die
vollständigen Bewerbungsunterlagen können angefordert werden bei
Harald Kron, Tel.
(02
61)
1 35
-
1
29,
E-Mail
Harald.Kron@sportbund-rheinland.de
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